»Glückliche Scheidungskinder«

»Glückliche Scheidungskinder« – ein interessantes Buch von Remo H. Largo und Monika Czernin. Die Autoren beschreiben Wege, wie Kinder glücklich aufwachsen können ohne unter der Trennung ihrer Eltern zu leiden. Sie konzentrieren sich dabei auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder. Aber wenn Eltern wirklich so bewusst und verständnisvoll auseinandergingen, wie dort im Idealfall beschrieben, dann hätten sie im Grunde auch zusammenbleiben können. Auf jeden Fall stimme ich darin überein: Wenn es den Kindern gut gehen soll, dann müssen die getrennten Eltern sich darüber im Klaren sein, dass es auch jedem der Ex-Partner gut gehen muss. Jeder sollte dazu seinen Beitrag leisten, denn das ist eine wichtige Voraussetzung für glückliche Kinder. Das gilt natürlich auch jederzeit für komplette Familien.

Angesichts der sehr oft angestauten Emotionen und verletzten Gefühle bei Trennungen, beschreibt diese Idee aber eher eine Ideal-Vorstellung. Und meine letzte Ideal-Vorstellung war mir in Bezug auf Familie ja soeben um die Ohren geflogen. Aber ich wollte mir alle Mühe geben und Konflikt und Eskalation vermeiden. Dazu habe ich den Ball sicher ab und zu flacher gehalten, als es meiner Gesundheit wirklich gut tat – aber dieses Verhalten entspricht durchaus meinem harmoniesüchtigen Charakter. Was nun wirklich besser ist, wage ich nicht zu beurteilen. Wutausbrüche haben mir jedenfalls noch nie wirklich gut getan – sie sind mir einfach zu gewalttätig und kräfteraubend.

Freunde – wo sind sie geblieben?

Doch wo waren eigentlich all unsere wunderbaren Freunde in dieser schwierigen Zeit? In dem o.g. Buch steht, dass gerade in Trennungssituationen beide Seiten Beistand und Hilfe von Freunden gebrauchen können. Tolle Idee – aber bis auf wenige Ausnahmen waren alle, die Bescheid wussten und von denen ich dachte, dass sie auch nur ein einziges Mal nach unserem Befinden fragen würden, plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Kein Anruf, keine Email – kein Lebenszeichen. Ich war wirklich sauer und enttäuscht! Aber halt – da gab es ein paar wenige Menschen, die zugleich wie aus der Versenkung aufgetaucht waren und – obgleich sie viel weniger mit uns bisher zu tun hatten – ihr Mitgefühl zeigten und auch ihre Hilfe anboten – echte neue Freunde!

Mit Abstand betrachtet kann ich für das Verhalten unserer alten Bekannten durchaus Verständnis aufbringen, und ihre verschiedenen Beweggründe wie Angst, Unsicherheit, eigene Probleme etc. konnte ich schließlich nicht nur wahrnehmen, sondern auch annehmen. Ich habe ihnen längst vergeben und kann sie wieder mit Liebe in die Arme schließen. Aber sie sind mir trotzdem auch ferner geworden und haben anderen Begegnungen Raum verschafft.

Ende Februar 2009 habe ich dann mit einem Newsletter den ersten Schritt zurück in die Öffentlichkeit gewagt und darin meine neue Lebenssituation ein wenig erläutert. Die teilweise sehr persönlichen Antworten und Geschichten haben mir einmal mehr gezeigt, was Verbundenheit und Freundschaft wirklich bedeuten. Diese Rückmeldungen haben mich sehr berührt und meine Herz erfreut.

Foto: © B.M.Tang

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2 Responses to Alleinerziehender Papa – Was nun? – 2. Freunde

  1. Karen sagt:

    Lieber Tang,

    Ja, jetzt musste ich wirklich etwas weinen hier vor meinem PC. Marly guckt in die Glotze und Thomas darf ausschlafen. Ein wenig Ruhe, alle 31 Mails zu lesen. Ich kenne aus vergangenen Zeiten viele deiner Gefühle, und die haben sich soeben mal wieder offenbart. Du schreibst wirklich ganz toll!! Es ist auch ein großes Geschenk für dich, dass du dich so beschreiben kannst und gleichzeitig auch eins an die Menschen, die dich dadurch kennenlernen können. Vielen dank! Karen

  2. ingrid sagt:

    ja, lieber tang,
    du schreibst wunderbar und bist ein geschenk für die menschheit.
    wünsch dir weiterhin viel liebe und frieden.
    ingrid

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