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Eine abschließende Betrachtung kann man für einen sich ständig verändernden Prozess wie das Leben natürlich niemals ziehen. Dennoch gibt es so etwas wie meine gesammelten persönlichen Erfahrungen nach diesem ersten Jahr allein mit den Kindern. Joy (7) und Ray (2), die beiden Racker, sind mir während dieser Zeit noch einmal ganz anders ans Herz gerückt. Ich beobachte mich natürlich ziemlich genau, ob ich mich nun irgendwie an meine Kids klammere. Aber das kann ich beruhigt verneinen, denn ich empfinde keinen Mangel, den meine Kinder füllen sollen. Ich genieße es genauso, wenn ich mal etwas Zeit für mich allein habe. Aber wir drei schenken uns, wenn wir zusammen sind, all die Nähe und Zärtlichkeit, die wir brauchen und sind eine ziemlich kuschelige und verschmuste Familie. Die rüstige Oma kommt dabei sicher auch nicht zu kurz und kann sich täglich an der überschäumenden Lebendigkeit ihrer Enkel erfreuen.

Gefühle, Vorstellungen und Familienbild

Meine Vorstellungen über glückliches Zusammenleben und was Familie in diesem Zusammenhang bedeutet, haben sich gewandelt. Die Kinder haben mir gezeigt, wie wichtig Bezugspersonen für sie sind, die klar und zuverlässig sind, und die ihnen Aufmerksamkeit und Liebe schenken. Wer das ist, spielt zumindest für die Kids keine Rolle, auch wenn wir das gerne anders sehen möchten. Die Bindung der Eltern an die Kinder haben mehr mit deren Gefühlen und Vorstellungen zu tun. Ein Kind geboren zu haben ist sicher ein unauslöschliches Erlebnis, genauso wie in meinem Fall, dass mir der kleine Ray in der Badewanne direkt in die Hände geschlüpft ist. All das hat er aber längst vergessen und ist ziemlich unerheblich für sein Leben im Jetzt. Und für mich ist es ebenfalls nur eine Erinnerung. Diese Flexibilität der kleinen Menschen in Bezug auf ihre Bezugspersonen mag vielleicht mit ein Grund für die unglaubliche Überlebensfähigkeit unserer Spezies sein.

Die kleinen Mental-Trainer

Alleinerziehend zu sein, bedeutet natürlich jeden Tag aufs Neue eine große Herausforderung all meiner Kräfte und ist ein täglicher Prüfstein für meine Bewusstheit und Wachheit. Diese kleinen Mental-Trainer kennen keine Gnade und lassen mir kaum eine Verschnaufpause. Oft bekomme ich von Joy auch noch meine eigenen Weisheiten und schlauen Sprüche aufs Brot geschmiert, wenn ich mal wieder alles andere als entspannt bin. Dafür bin ich sehr dankbar. Es gibt also eine Menge Positives, dass ich in meiner jetzigen Lebenssituation erleben kann. Erleichternd ist es sicher auch, dass Kinder Konflikte ganz anders verarbeiten als Erwachsene. Sie sind spontan, brausen auf und am nächsten Tag ist das meiste bereits vergessen. Beneidenswert und nachahmenswert! Sie lieben uns zudem wirklich bedingungslos. Auch das können wir Erwachsenen vielleicht mit ihrer Hilfe wieder lernen oder wenigstens üben.

Die Isolation der Alleinerziehenden bringt Extremsituationen

Dennoch ist Alleinerziehen nach meiner Meinung eine völlig unnatürliche Situation, die es in dieser Form wie heute früher sicher viel seltener gegeben hat. Die Isolation der Mütter und Väter durch den Verlust des Familienverbundes, die mangelnde Integration in andere Gemeinschaften wie Nachbarschaft und Freundeskreise, bringt sie und ihre Kinder in menschenunwürdige Extremsituationen. Gerade wenn die Kinder noch klein sind und gleich mehrere gleichzeitig auf den einzelnen Betreuenden einstürmen, gibt es keine Ausweichmöglichkeiten und die Belastungsproben enden oft mit unangemessenen Ausbrüchen. Allzu verständlich, aber auf Dauer auch sehr destruktiv für alle Beteiligten. Es ist einfach erschütternd, sich selbst in einer solchen Situation zu erleben – wenn man keinen anderen Ausweg mehr zu kennen scheint, als seine Kinder anzuschreien. Ich möchte nicht die ganze Verzweiflung und Gewalt auf einem Haufen sehen, die sich täglich aus dem Gefühl der Überforderung und Ausweglosigkeit in tausenden von Familien abspielt.

Unsere heutigen Arbeitsstrukturen machen im Grunde fast alle Frauen mit Kindern während der Woche tagsüber zu alleinerziehenden Müttern. Papa geht morgens aus dem Haus und bringt im schönsten Fall vielleicht abends nach einer kleinen Spielrunde die Kinder ins Bett. Das letztere übernehmen die getrennten Alleinerzieher natürlich ebenfalls. Dass ich nun als Mann so etwas kennenlernen darf, macht es weder gerechter noch besser, und ich frage mich, wie dieser gesellschaftliche Misstand für alle klarer ins Bewusstsein gerückt werden kann.

Foto: © B.M.Tang

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