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Nun dachte ich eigentlich, dass ich schon fertig sei mit meinem Artikel. Doch da fehlte noch was, und das lest ihr hier und jetzt. Die sogenannte intakte Familie mit Mama, Papa und Kindern ist seit geraumer Zeit stark unter Beschuss und ich spüre, wie etwas in mir immer noch dieser Idylle und Verbundenheit nachtrauert.

Eine neu Perspektive auf Trennungen

Ich möchte daher abschließend noch einen Blick aus einem anderen Winkel auf all die Trennungszenarien werfen. Es fällt mir auf, dass sich im Auseinanderbrechen menschlicher Beziehungen im Grunde das gesellschaftliche Trennungsbewusstsein zeigt. Das Gefühl von der Welt, vom anderen getrennt zu existieren, führt zur beinahe neurotischen Demonstration von Individualismus und ständiger Konfrontation mit dem Gegenüber. Auseinander-Setzung ist dafür ein absolut treffendes Wort. Das Gegenüber sind üblicherweise unsere Partner, Lebensgefährten oder unsere Kinder. Es könnte aber auch ein einfacher Spiegel sein, den wir vor uns aufstellen. Unter dem Vorwand die eigenen Bedürfnisse endlich wahrzunehmen und ausleben zu wollen, wird innere Unzufriedenheit und Zerrissenheit oft nach außen und auf andere projiziert.

»Du, Du ,Du!« oder »Ich, Ich ,Ich!«

So tauchen in Beziehungsstreitereien fast immer die Vorwürfe auf: »Du engst mich ein, Du gibst mir keinen Raum, Du liebst mich nicht, Du vernachlässigst mich, Du denkst nur an Dich … Du, Du ,Du!« Wenn man in diesen Sätzen das »Du« mit »Ich« austauscht, klingen die Sätze schon ganz schön hart: »Ich enge mich ein, Ich gebe mir keinen Raum, Ich liebe mich nicht, Ich vernachlässige mich, Ich denke nur an Mich … Ich, Ich ,Ich!« So formuliert schiebt man die Verantwortung für das eigene Leben wenigstens nicht auf andere. Das aber ist schmerzlich und unbequem. Aus der Sicht der All-Einheit gibt es streng genommen diesen Anderen gar nicht. Ich stehe mir selbst in jedem Anderen wie ein Spiegelbild gegenüber und darf mir nicht einbilden, dass es irgendetwas bringt, wenn ich den Spiegel einschäume und versuche zu ihn zu rasieren. Die Stoppel bleiben in meinem Gesicht und der Bart wächst weiter, soviel ich auch jammere und mein Gegenüber anschreie.

Bedürfnisse

»Ich stehe wenigstens zu meinen Bedürfnissen!« Diesen Satz habe ich oft zu hören bekommen und hatte komischerweise sofort ein schlechtes Gewissen. Musste ich auch diese Bedürfnisse haben, um okay zu sein? Oder lüge ich mir was in die Tasche, wenn ich weniger Bedürfnisse als andere habe? Was sind Bedürfnisse denn? Bei Wikipedia steht: »Ein Bedürfnis ist das Verlangen oder der Wunsch, einem empfundenen oder tatsächlichen Mangel Abhilfe zu schaffen.« Ja, vielleicht habe ich einfach recht wenig Mangelgefühle und empfinde dadurch weniger dringende Bedürfnisse – von Essen und Pipimachen mal abgesehen. Bedürfnisse wollen im Allgemeinen befriedigt werden. Das heißt aber auch, dass da irgendwo Unfriede mit drinsteckt – da ist jemand mit sich selbst nicht im Frieden.

Mangel und Unfriede – Treibe ich das jetzt zu weit? Nein, ich glaube eher, dass ich damit dem Täter auf der Spur bin. Wenn ich empfinden kann, dass genug von allem da ist, dann würden auch Mangel und Unfriede verschwinden. Klingt doch logisch, aber schein nicht ganz so einfach zu sein. Ich glaube, dass es in uns allen eine tiefe Sehnsucht nach dem scheinbar verlorenen Einssein mit Allem was Ist gibt. Man kann dies auch als die universelle Kraft oder Gott bezeichnen. Die Unfähigkeit diese Verbindung aufzubauen und in sich zu spüren führt zu tiefer Unzufriedenheit und es entstehen vielfältige Bedürfnisse und Wünsche an der Oberfläche, im Außen, quasi als Ersatz für das verlorene Paradies. Ihre Befriedigung und Erfüllung füllt jedoch niemals dauerhaft die tief empfundene Leere in unserem Inneren.

Utopie

Ja, es gibt da immer noch eine Utopie in mir, die Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel, den ich – wie mir das heute immer klarer wird – in meinem Roman »Momoko« wenigstens in meiner Vorstellung ausgelebt und beschrieben habe. Was würde geschehen, wenn alle Menschen sich schlagartig darüber bewusst würden, dass sie sich im Anderen immer auch selbst gegenüberstehen? Ich erinnere mich gerade an eine Stelle in »Gespräche mit Gott« von Neil Donald Walsch. Mal sehen ob ich das finde. Wow! – Genau den richtigen Band 3 gezogen und an der gesuchten Stelle (S.388 ff) aufgeschlagen … es ist immer wieder erstaunlich, wie leicht das geht. Ich fasse mal zusammen: Es geht dort um Die Frage nach »HEWs« – Höher Entwickelte Wesen im Universum und was sie von uns unterscheidet. Es werden drei fundamentale Weisheiten genannt, die diese hochentwickelten Gesellschaften verinnerlicht haben und nach denen sie leben:

1. Wir sind alle eins
2. Es ist genug da
3. Es gibt nichts, das wir zu tun haben

Ich gebe offen zu, dass mich die Aussicht, dieses Bewusstsein hier auf diesem Planeten zu fördern und ins eigene Leben zu integrieren bis heute motiviert, und es ist mir eine Freude, dies mit euch zu teilen.

Wer jetzt denkt: Mensch, der Tang – der hat’s schon echt drauf! – Pustekuchen! Ich tappe täglich noch immer in die verschiedensten Fallen und Fettnäpfe und frage mich, wer die alle für mich aufstellt? Bilde ich mir ein, dass es weniger geworden sind? Naja, vielleicht habe ich auch inzwischen ein Näschen für den Fettgeruch entwickelt und bewege mich etwas langsamer. Wenn ich dann aber doch wieder drinstecke, rege ich mich erst mal tierisch auf! Zum Glück kann ich aber ziemlich schnell wieder über mich selbst lachen. Ich male mir dann manchmal aus, wie ich gerade in einer Nachmittags-Billig-Soap aussehen würde.

Foto: © B.M.Tang

* * *

 

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5 Responses to Alleinerziehender Papa – Was nun? – 4. Ausblicke

  1. Ernst sagt:

    Lieber Tang,

    ich kann Dir nur zustimmen. Ich habe in schmerzlicher Erfahrung die gleichen Eindrücke und Überzeugungen gewonnen. Und: Leider sind Trennungen heute nicht nur sehr häufig sondern werden in der Öffentlichkeit als ganz normale, ja fast gesunde Lebensphasen behandelt. Das beginnt schon bei manchen Paar-Therapeuten, die als erstes fragen, ob eine Trennung nicht die beste Lösung sei – um nur ein Beispiel zu nennen. Dabei ist sind Trennungen immer sehr sehr schmerzlich und existenziell bedrohlich – nicht nur für die Kinder sondern natürlich auch für die Betroffenen selbst. Viele Trennungsopfer werden ernsthaft krank und/oder aus der Bahn geworfen. Das ist aber gesellschaftlich völlig ok, solange man nicht falsch parkt und seinen Müll schön trennt. Uns sind wirklich einige Werte und Maßstäbe verloren gegangen!

  2. Jana sagt:

    Lieber Tang,

    vielen Dank für all Deine Offenheit über Dein äußeres wie inneres Leben, an dem Du so viele Menschen teilhaben lässt. Es ermöglicht Dich durch und durch als Mensch wahrzunehmen, an Deinen Gefühlen, Gedanken und Erfahrungen Anteil zu nehmen – sie bei sich bestätigt zu finden oder als neu zu entdecken. Als einer der zahlreichen Lehrer und Führer der Menschen bist Du gut gefordert und kannst nun selbst die bisherigen Erkenntnisse, das bisherige Wissen durch eigenes Erleben prüfen und anwenden. Das macht authentischer, gibt klarere Einsichten und hilft Überholtes zu erkennen und ggf. loszulassen. Ich merke selbst auch immer wieder, wie ich durch Erzählen eigener Erlebnisse und Wege ich bei den Zuhörern (und oft Hilfesuchenden) mehr Vertrauen, Offenheit und Verstandenwerden bewirken kann. Und ich sage mir oft bei zu meisternden Situationen: Aha, wenn ich das meistern kann, dann auch dafür, dass ich anderen in ähnlicher Situation besser helfen kann. Allein, dass ich mich in die Situation des anderen hineinversetze, lassen sich leichter auch Lösungsmöglichkeiten für den anderen finden.

    Ich wünsche Dir deshalb auf Deinem Weg viel Licht und Liebe – sowohl von außen wie von innen. Möge Deine Quelle freudig sprudeln, Dir Vertrauen, Gelassenheit, Frieden und Schönheit schenken und Dich auf Deinem Weg bestärken.
    Alles Liebe Dir und Deinen Kindern – Geschenke des Universums, des Lebens an Dich 😮

  3. Tang sagt:

    @ Ernst – Das Leid, dass durch Trennungen in ihrem destruktiven Strudel erzeugt wird, entsteht nach meinem Empfinden zum großen Teil durch die starke Identifikation mit dem Anderen und Äußeren: dem Partner, den Kindern, den Habseligkeiten, den Vorstellungen etc. Auf der einen Seite ist die Bereitschaft, die wahren Gründe für innere Unzufriedenheit anzuschauen nicht sehr ausgeprägt, und auf der anderen Seite gibt es – glücklicherweise – mehr materielle Unabhängigkeit, die ein Zusammenleben auf Gedeih und Verderb nicht mehr zwingend erforderlich macht. Ich glaube nicht, dass Paare früher in Krisen mehr und bewusster miteinander geredet haben. Da wurde vielleicht mehr hinuntergeschluckt und verdrängt. Frauen waren – und sind es mit kleinen Kindern auch heute noch – in hohem Maße von den Einkünften ihrer Männer abhängig. Aber eben nicht auf alle Zeit.

    Davon unberührt gehen Menschen mit wachsender Begeisterung – und völlig freiwillig – symbiotische und abhängige innere Beziehungen ein, die irgendwann platzen müssen! 2 x unvollständig ergibt eben nicht Vollständigkeit, sondern nur zwei halbe Kreise, die sich zu einem vollen Kreis verbinden möchten. An den Nahtstellen bröselt es immer mehr oder weniger. Diese Illusionsgebilde sind Seifenblasen mit der Aufschrift: »Wir sind nun eins – wir gehören zusammen, bis dass der Tod uns scheidet!« Besser würde mir der Satz gefallen: »Alles gehört zusammen – auch der Tod kann es nicht scheiden.«

    Solange wir unsere tief empfundene Unvollständigkeit nicht bewusst anschauen und als Projektion und Lüge entlarven – keiner wird mit diesem Gefühl geboren -, dürfte das Bindungs- und Trennungsspiel noch eine Weile so weitergehen.

    * * *

    @ Jana – Es wäre schön, wenn meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken für den ein oder anderen hilfreich sind. Ich hadere allerdings in diesem Fall durchaus mit meinem Entschluss, Privates in der Öffentlich zu zeigen. Darüber gibt es sicher geteilte Meinungen. Sollte ich das, oder auch die Bilder von den Kindern nicht lieber für mich behalten? Ich bin mir da nicht zu 100% sicher. Allerdings habe ich ganz für mich selbst die Erfahrung gemacht, dass diese Unterscheidung zwischen Privat und dem Rest der Welt keinen Sinn macht, wenn man wirklich an die All-Einheit glaubt. Sich so zu entblößen, macht mir keinen Angst, sondern gibt mir im Gegenteil Kraft. Ich mag an diesem Punkt nicht artig und still sein, und da ich bei meinen Kindern wo immer möglich ihr natürliches Selbst-Bewusstsein erhalten und fördern möchte, kann ich im Augenblick diesen Schritt in die Öffentlichkeit – die große Gemeinschaft aller Menschen – nicht als Fehler wahrnehmen. Ich würde sie jederzeit zu Ähnlichem ermutigen.

  4. Lieber Tang,

    Es ist eine Freude deine Einträge zu lesen.

    Ich bin ja selber seit August von meinem LAP getrennt – 14 Jahre – 2 Kinder – die jüngere ist mit 3,5 Jahren gestorben – wir haben die letzten 6 Jahre nur getrauert – nun nach den ersten paar Wochen habe ich mir gedacht – ja das ist es – ich bin jetzt frei – ich brauche das – schön langsam kommen aber die Zweifel – mir wird immer bewusster, dass alles was mich an Wapo genervt hat – mich bei mir selber am meisten nervt – so wie du das gesagt hast – ich habe ihm das gleich geschrieben – er sprach gleich von »Wiedervereinigung« – und ich bekam gleich wieder Panik – ich glaube, die Menschen haben in Wirklichkeit Angst vor Nähe, vor wirklicher Nähe – also bei mir ist es auf jeden Fall so – nun ja – ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin alles Gute – und wir hören uns – liebe Grüße – Uschi

  5. gerold fickert sagt:

    Hallo Tang

    Ja, irgendwie bin ich einer Spur gefolgt und heute hier auf deiner Seite gelandet und habe einiges gelesen. Deine persönliche Offenheit und auch dein Schreibstil gefällt mir gut und erzeugt Resonanz bei mir.

    Ich lebe auch mit zwei Söhnen (14+11 Jahre) aber auch noch einer Frau, der Mutter der Jungs, zusammen. Bei uns verdient die Frau die Brötchen und ich bin der Hausmann. Das funktioniert seit 12 Jahren ganz gut. Auch wenn wir das Glück hatten in unserem nun 20jährigen Zusammenleben bisher alle Krisen ohne eine Trennung nicht nur zu überstehen, sondern uns selbst und den Partner immer wieder neu zu entdecken und zu erfahren, kann ich deine Einschätzungen was Beziehungen anbelangt bestätigen. Entscheidend, also die Scheidung verhindernd, ist meiner Erfahrung nach bei allem was im Miteinander passiert, bei sich zu bleiben und niemals den oder die Anderen – also in meinem Fall weder Frau noch Kinder – für das Eigenerleben von was auch immer verantwortlich zu machen.

    Es ist mir aber ganz klar während ich dies schreibe, dass das leichter gesagt als getan ist. Aber es kann passieren, dass es geschieht, wenn in einem selbst die Bereitschaft geschieht es geschehen zu lassen.

    Lieben Gruß – Gerold

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