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Die Herausforderungen im Abenteuer Alltag scheinen bei mir zumindest im Augenblick ständig zu wachsen. Glücklicherweise zusammen mit meiner Fähigkeit, sie zu meistern. Meine letzten Artikel, in denen ich zugegeben zwei recht wilde All-Tage beschrieben habe, geben ein wenig Geschmack davon, wie das bei mir manchmal aussieht. Die Analogie mit meinen ersten Wellenreitversuchen vor Jahren auf Lanzarote drängt sich mir förmlich auf. Weißt Du, was die Waschmaschine ist? – Wie es sich anfühlt, wenn Dich die Welle in ihren Strudel reinzieht und komplett durchspült – ohne die Möglichkeit aufzutauchen oder Luft zu holen? Als Surf-Anfänger ist das ziemlich oft der Fall. Daher überlässt man die dicken Brummer besser erst mal den Profis und versucht auf dem Schaum zu reiten.

Bigwaves

Bisher bin ich auf dem Wasser über die ersten Stehversuche nicht groß hinausgekommen – ganz anders als der Surfer auf meinem Foto. Aber in der anderen Surfschule, die man Leben nennt, bin ich gerade im Fortgeschrittenenkurs – bilde ich mir zumindest ein. Da habe ich mich inzwischen schon recht weit raus gewagt aufs offenen Meer. Dort wo die Bigwaves warten! Die sehen etwa so aus: beängstigend hoch, dicke Lippe und bereit zum Knochenbrechen – falls man von ihnen untergespült wird. Aber irgendwann kriegen wir sie alle ab – so oder so. Warum? Weil wir sie lieben und hassen – unsere Lebensabenteuer. Der Ozean ist freundlich und gibt uns immer die, die wir gerade noch packen können. Und selbstverständlich dürfen wir zwischendurch auch mal Luft holen – manchmal ist es allerdings nur ein hastiges Luft schnappen.

Jeden Nacht aufs Neue schwimmen ich raus und warte auf die ultimative Welle. Sie kommt bestimmt! Immer und jeden Morgen! Mach die Augen auf, Tang, Schlafmütze! An manchen Tagen kann ich noch etwas paddeln bevor sie kommt. Meistens höre ich sie aber schon in den letzten Atemzügen meines Morgentraumes heranrauschen. Ich spüre, wie sich der Ozean hebt und senkt, öffne die Augen – ein neuer Tag. Das Gefühl wird stärker und ich bin wach und aufmerksam. Da ist sie schon! Nicht denken jetzt – ein paar beherzte Kraulzüge – auf’s Board aufspringen – reiten. Den Rest macht mein Körper.

Der Ozean trägt mich

Die Substanz dieser Welle besteht aus Ereignissen. Sie geben der Welle ihre besondere, einzigartige Form. Sie wird nie wieder die Gleiche sein – nie mehr so wie sie jetzt ist. Ich muss sie nehmen, wie sie ist. Ich bin ihr ausgeliefert, doch ich kann auch auf ihr reiten. Ich halte das Gleichgewicht, biege mich, tauche in die Röhre und wieder heraus – aber ich lass mich nicht unterkriegen. Besser ausgedrückt: Ich gebe mich dem Ozean hin und werde getragen! Ein Ereignis folgt dem anderen und bis zum Ende des Tages hat mich die Welle bis ans Ufer getragen. Was für ein Ritt! Ich liege im Bett – es ist Abend – schlafe und schwimme im Traum wieder raus. Bereit für die nächste Welle.

Es gibt drei Möglichkeiten die Welle zu verpassen oder abzustürzen: mangelnde Aufmerksamkeit, Denken und Widerstand. Wenn ich penne und nicht achtsam das Meer beobachte, streicht sie vorbei oder überrollt mich. Netterweise kommen immer wieder neue. Wenn ich nach- oder vordenke, verliere ich sofort die Haftung auf dem Brett und es wird rutschig. Eine kurze Zeit bleibt mir, wieder ins Jetzt zurückzukehren. Die hereinstürzenden Ereignisse helfen mir sogar dabei – denn sie stürzen genau in diesem Moment auf mich ein – nicht vorher – nicht nachher! Brauche ich aber zu lange oder gehe ich gar in Widerstand und wende mich gegen bestimmte Ereignisse – Waschmaschine! Das ist die Antwort des Ozeans mit der Gelegenheit zum Neustart.

Tja, und das kann auch für uns Alltags-Surfer auf Dauer ganz schön anstrengend werden. Irgendwann geht einem jedenfalls die Puste aus. Ich glaube, das Thema Widerstand bzw. Widerstandslosigkeit liegt in diesem Zusammenhang auf der Hand und rückt langsam aber sicher in den Focus. Mal sehen, was dazu alles auftaucht. Vielleicht magst Du ja einen zündenden Funken aus Deiner eigenen Erfahrung dazu beisteuern. Schreib einen Kommentar!

Foto: © photogerson | fotolia.com

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5 Responses to Erwisch die Welle – und reite sie!

  1. Andrea sagt:

    Wie gut ich das alles kenne – aber:

    … nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt…

    Drück Dich mal ganz lieb – Andrea 🙂

  2. Jana sagt:

    Lieber Tang,

    Dein Gleichnis mit dem Surfer gefällt mir und beschreibt sehr gut, wie das Leben zu meistern ist und wie eben nicht so gut. Ich kenne z.B. das angesprochene Thema „Widerstand“ sehr gut. Meist hat es bei mir mit dem Nicht-Loslassen alter Muster, Gewohnheiten, … zu tun – oder anders gesagt: mit dem Nicht-Offensein für Neues, Unbekanntes, … Ich habe mir dann viel mit Reiki geholfen – übersetzt: mit Licht und Liebe, die ich in die verfahrene Situation geschickt habe. Allmählich konnte ich meinen Widerstand aufgeben und erkennen, dass ich die Chance habe einen Schritt auf meinem Weg weiter zu kommen, wenn ich diese Situation (Aufgabe) geschafft habe anzunehmen. Ganz wie der Surfer: das Beste aus dem Gegebenen machen. Oder wie bei dem Hirten, den die Wanderer nach dem Wetter fragen und er mehrfach antwortet: „Es wird so sein, wie ich es mag.“ 😮

    Bei Dir scheint etwas anderes durch (zumindest für mich beim Lesen Deiner Zeilen): Du scheinst schon förmlich auf die nächste Welle zu warten und bist vielleicht enttäuscht, wenn mal keine zu nehmen ist. Hast Dir also eine Art unbewusste Programmierung geschaffen. Ich kann Dir einen schönen Leitsatz mitgeben, den ich selbst auch geschenkt bekommen habe: Es darf im Leben leicht gehen – auch in meinem 😮 Wenn ich mich erinnere, hast Du vor Jahren wohl so gelebt oder leben wollen. Vielleicht greift bei Dir (der Vollständigkeit halber) nun die andere Seite des Lebens – zum Ausgleich… (?) Du kannst also den Surfer weiter leben oder jeden Augenblick neu wählen. Ich frage die Hilfesuchenden gern: Tut es Dir gut? Brauchst Du das weiterhin? Kommt beide Male ein Nein, dann ist es ein guter Zeitpunkt für die Antwort auf die Frage: Wenn nicht so, wie dann anders? Es genügt oft erst einmal Fragen ans Leben zu stellen – denn erst dann bekommen wir ja auch die Antworten (bzw. finden wir sie, da wir dann dafür offen sind).

    In diesem Sinne wünsche ich Dir wachsende Gelassenheit, Leichtigkeit, Offenheit, Flexibilität sowie viel Licht und Liebe auf Deinen weiteren Weg. Das Gute daran: Dein/Euer Alltag entspannt sich und die Kinder lernen bereits frühzeitig, wie man sein Leben und scheinbar schwierige Situationen auch meistern kann. Nichts ist ja so, wie es scheint 😮

    Herzliche Grüße – Jana aus Dresden

  3. Helen sagt:

    Hallo lieber Tang!

    Das Surfen ist sehr anstrengend, – ob aufm Ozean oder im Kleinkindalltag. Ich wünsch dir viel Kraft, Unterstützung! Humor hast du ja!
    Im Rückblick auf die Zeit als meine 3 Jungs klein waren, weiß ich nicht mehr wie ich die einzelnen Tage geschafft hab – und irgendwann war es vorbei. Jetzt sind sie erwachsen und ich denke: „Verflixt, wann war denn das?“ … und es bleibt ganz viel Dankbarkeit, das erlebt haben zu dürfen.

    Liebe Grüße! – Helen

  4. Doerte sagt:

    Lieber Tang,

    erst mal meinen Respekt, ich bin eine nicht alleinerziehende Mama und hätte nie gedacht, dass Kindererziehung eine solche Herausforderung ist.

    Ich finde den Hinweis von Jana sehr hilfreich. Mir fiel dazu noch folgendes ein: Vielleicht entscheidest Du Dich einfach innerlich mal zu schnorcheln statt zu surfen und visualisierst Dir dazu eine ruhige See?

    Ansonsten empfehle ich Dir, genau zu schauen, wodurch diese ständigen Wellen ausgelöst werden. Ich habe noch nicht so viele Berichte gelesen, aber mir kommt es so vor, als ob Du manchmal das Wohl Deiner Kinder zu sehr an erste Stelle setzt. Versuche, wieder Raum für Dich zu gewinnen, denn nur ein starker Papa kann für seine Kinder da sein. Dazu gehört auch, sich immer wieder Konsequenzen einfallen zu lassen, mit denen Du Deinen Kindern zeigst, wo Schluss ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder immer gerade so weit gehen, wie wir es noch verkraften können, vielleicht sogar ein kleines Stückchen weiter. Wenn Du dabei deine eigenen Bedürfnisse sehr weit nach unten schraubst, ist der Spielraum für die Kiddies entsprechend groß. Für mich ist die größte Herausforderung, meinem Rabauken (er ist gerade gute 2,5 Jahre alt ) liebevoll Grenzen zu setzen. Das hat 2 Aspekte: Selber innerlich entspannt und gelassen zu bleiben, also der Fels in der Brandung zu sein und gleichzeitig sehr klare Grenzen ziehen. (Ich weiß nicht mehr genau, wie das in Deinem Bericht war, aber wenn mein Kind mitten in der Nacht Durst bekommt, sage ich ganz klar, entweder er trinkt das, was ich ihm biete, oder es gibt gar nichts. Das wird natürlich Protest hervorrufen, aber wenn Du da konsequent bleibst, lernt das Kind dazu und irgendwann kommen diese Wellen nicht mehr). Unsere Kinder helfen uns sehr, innerlich zu wachsen und ich denke, Deine Kinder fordern Dich gerade zu auf, diese Konsequenz zu lernen. Du tust Ihnen damit nicht weh, im Gegenteil, hilfst Du ihnen.

    Ich will jetzt hier keinen Roman schreiben, aber vielleicht kannst Du ja mit den Gedanken was anfangen. Ich wünsche Dir weiter viel Freude und hoffe, dass Du bald mal eine ruhige See genießen kannst…

    Herzliche Grüße – Dörte

  5. Tang sagt:

    @ Helen – Ja, mein Grundgefühl, dass immer da ist und auch nach jedem Sturm wieder auftaucht, ist ebenfalls Dankbarkeit verbunden mit einer unbändigen Lebensfreude. DIe Liebe zum Ozean – zu allem was ist – trägt mich, und die Purzelbäume beim Surfen gehören genauso dazu wie das unglaubliche Erlebnis, synchron mit der Welle zum Strand zu rollen und dabei auf ihr zu tanzen.

    * * *

    @ Jana – Genau dieser Tanz – diese körperliche Erfahrung von Bewegung – hat mich schon immer fasziniert und angezogen. Das ist meine Art von Meditation. Du hast ganz recht – verglichen mit der Stille bei meinen Allein-Wanderungen in den Bergen vor Jahren – ist dies eine etwas andere Erfahrung. Aber innerlich ruhig und still zu sein inmitten von Trubel und Lärm – das mag ich gerade üben und diese authentische Erfahrung auf meine Art weitergeben. Dazu ist meine Lebenssituation perfekt! WIe Du schon sagst: Nichts ist so, wie es scheint. Die Berge, der Alltag, Stürme und Flauten sind äußere Erscheinungsformen, denen ich körperlich so oder so begegne. DIe innere Haltung, die ich dabei einnehme, möchte ich frei wählen können. Das empfinde ich als Freiheit.

    * * *

    @ Doerte – Glücklicherweise mag ich die ruhige See ebenso gerne wie die großen Wellen. Dann tauche ich auch gerne ab und schnorchele ganz entspannt durch die Lagune. Gerade ist so ein Moment und ich genieße die Stille – und schreibe 🙂

    Ich habe das Bild von der Welle im Artikel für die Fülle der täglichen Ereignisse benutzt und meinte eigentlich nicht die emotionalen Wellen, die uns ab und zu überfluten. Dennoch finde ich Deinen Einwand mit den Grenzen wichtig. Auch Maria hat dazu in einem anderen Zusammenhang einen Kommentar bei »Lob und Tadel – 2. Sei vorsichtig mit Bewertungen« geschrieben und ich habe aus meiner SIcht ein bisschen Senf dazu gegeben – schau ruhig auch dort mal rein.

    Einer meiner Lieblingssätze – falls ich ihn nicht schon irgendwo losgelassen habe – stammt aus WiIliam Martins »Tao Te King für Eltern« und lautet »Sei konsequent flexibel!«. Meine Grenzen sind nicht immer gleich und ich muss auch nicht immer konsequent sein, find ich. Oh, welche Freiheit! Einem weinenden, kranken Kleinkind im Halbschlaf begegne ich ganz anders, als unter normalen Umständen. Wenn mein Kind müde ist und quängelt, ist es wie ich finde kein guter Zeitpunkt, Konsequenz zu zeigen und Grenzen zu setzen. Meistens habe ich es dann schon vorher irgendwie versiebt, und die Bedürfnisse des Kindes überhört – und dann muss ich eben durch diese Situation mit angemessenem Verhalten hindurchgehn und diesen kleinen Menschen liebevoll in den ersehnten Schlaf begleiten. Das kann dann auch wie in meiner Nuckelflaschen-Geschichte bedeuten, dass ich auf einige verrückte Ideen, die da bei Ray aufgetaucht sind, erstmal eingehe und dabei den richtigen Absprungpunkt vom Quängel-Karussell finde.

    Echte Bedürfnisse der Kinder oder auch anderer Personen wegen »runterzuschrauben« macht krank. Da kann ich Dir nur beipflichten. Daher ist es wichtig in dieser Beziehung ehrlich zu sich selbst zu sein und dies dann auch aufzuzeigen. Aber ich muss einfach sagen, dass sich meine Bedürfnisse im Laufe der Zeit gewandelt haben. Es ist nicht mehr alles so wichtig wie früher und vieles ist einfach verschwunden, was mir vor Jahren noch viel bedeutet hat. Da sind einige Vorstellungen irgendwie auf dem Sperrmüll gelandet und zugleich hat sich damit der Spielraum für uns alle erweitert. Besonders lustig ist es übrigens immer dann, wenn ich mich dann doch mal ganz ernsthaft aufregen möchte und mir Joy mit meinen eigenen Worten kontert: »Komm Papa, mach Dich mal geschmeidig und reg Dich nicht auf – das ist doch nur im Kopf!« Das Gemeine ist – er hat damit auch noch Recht 🙂

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