Als ich vor ein paar Tagen auf der Facebook-Gruppen-Seite meiner Freundin Martina mit diesem Begriff konfrontiert war, habe ich bemerkt, dass er mir zwar ständig über die Lippen kommt, aber wenn ich ihn meinen Kindern erklären sollte, hätte ich erst mal Schwierigkeiten. Als Künstler sollte ich das eigentlich wissen, aber da tummeln sich so viele Begriffe in meinem Kopf, dass ich sie in diesem Zusammenhang gerne mal öffentlich sortiere. Intuition, Eingebung, Geistesblitz, Idee, Imagination, Vision, Anregung, Einfall … sind das alles verschiedenen Worte für die gleiche Sache?

Der Hauch des Spirit

Bei Wikipedia steht: »Inspiration (von lat.: inspiratio = Beseelung, Einhauchen von „spiritus“ = Leben, Seele, Geist) bedeutet allgemeinsprachlich eine Eingebung, etwa einen unerwarteten Einfall oder einen Ausgangspunkt künstlerischer Kreativität.« Von wo dieser Hauch heranweht, ist je nachdem, wer den Begriff benutzt, verschieden. Das kann ganz handfest durch die Begegnung mit menschlichem Schaffen geschehen oder auch durch das Wahrnehmen von Schönheit in der Natur. Andere werden direkt vom Göttlichen inspiriert. Nun, als Schreiberling gefällt mir Geisteblitz oder göttlicher Funken ganz gut. Kurzum – die Begriffe passen irgendwie alle und unterscheiden sich in Feinheiten. Aber die Schwester der Inspiration möchte ich noch etwas genauer vorstellen:

Die Intuition!

»Die Intuition (v. lat.: intueri = betrachten, erwägen; PPP intuitum) ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen, zu erlangen. Intuition ist ein Teil kreativer Entwicklungen. Der die Entwicklung begleitende Intellekt führt nur noch aus oder prüft bewusst die Ergebnisse, die aus dem Unbewussten kommen.«

Wie man heraushört, kann der Verstand dort nicht hindenken. Er bleibt außen vor und darf staunen, dass außer ihm da noch was ist, dass brauchbare Einsichten und Wissen liefert. Allzu gerne bemächtigt sich unser Denkerlein aber dieser Erkenntnisse und behauptet ganz frech, er hätte sich das gerade selbst ausgedacht. Diesem Dieb sollten wir daher gründlich auf die Finger schauen.

Zeit ist der Todfeind

Inspiration … Intuition … ach wie wunderbar das doch alles klingt! Wenn ich im Alltag doch nur genug Zeit für diese lichten Momente hätte. Das ist der Knackpunkt! Du siehst vielleicht schon, dass Zeit und Inspiration irgendwie mit einander verknüpft sind. Aber ganz anders, als es augenscheinlich ist. Ich kann gar keine Zeit für Inspiration haben – Zeit ist der Todfeind von Inspiration! Die Vorstellung, Zeit für einen Moment, für den Augenblick zu haben ist irgendwie absurd. Natürlich spiele ich hier mit Begriffen rum, aber es zeigt zumindest, wir wir das auf unserer Festplatte abgespeichert haben.

Die Zeit abschalten

Für Inspiration brauchen wir lediglich den bewussten Moment – das genügt völlig! »Abschalten« ist das richtige Wort. Die Zeit abschalten oder besser das Beschäftigen mit der Zeit. Dass dies eines meiner Lieblingsthemen ist, hast Du – wenn Du schon ein wenig von mir gelesen hast – sicher schon rausgefunden. Aber es lohn sich immer wieder mit verschiedenen Scheinwerfen auf diesen Punkt zu leuchten. Schließlich wollen wir doch »Erleuchtung« oder …? Haha 🙂

Inspiration und Intuition gehen jedenfalls ganz wunderbar am Kopf vorbei direkt in den Kopf. Der Satz gefällt mir! Ich meine damit: sie gehen ohne Denken am Verstand vorbei und erreichen uns als augenblickliches Wissen. Wir dürfen uns auf diese Quelle gut und gerne verlassen, denn sie ist nicht durch irgendwelchen Gedankenmüll verunreinigt.

Können wir Menschen uns gegenseitig inspirieren?

Ich glaube schon, aber wir sind besonders inspirierend, wenn wir es nicht beabsichtigen. Mit der Absicht im Kopf werden wir schnell missionarisch, ziel- und erfolgsorientiert. Wir scharen damit vielleicht Jünger um uns, die uns hofieren und nachahmen wollen, aber das ist eben nicht wirklich inspirierend. In der Kunst führt das zu Plagiaten und Abziehbildern. Im Leben führt es im schlimmsten Fall zur Unselbständigkeit und Abhängigkeit.

Nun darfst Du dich schon auf die Fortsetzung dieses Themas freuen. Der zweite Teil dieser Serie trägt den Titel: »Die Quelle der Musen – Ursprung unserer Kreativität«.

Foto: © rolffimages | fotolia.com

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7 Responses to Inspiration und Muse – 1. Inspiration

  1. Silke sagt:

    Hi Tang,

    „Daumen hoch“, gefällt mir grade 🙂
    Und ich freu mich auf Teil 2 🙂
    Ich bin gerade von meinen Gefühlsstörungen in den Fingern inspiriert und mach eine Hand aus Ton. Banal, aber ich freu mich, dass es geht. Abschalten und sich dem „Flow“ hingeben… tut mal gut 🙂
    Natürlich würde ich (wie fast immer ;-)) bei manchen Punkten liebend gerne widersprechen, weil mir das Spaß macht und ich meist Lust auf eine Diskussion habe. Das spar ich mir aber, sonst bleibt die praktische Kreativität hier leider Theorie. Und machen muss man, sonst wirds nix damit 😉

    Lieben Gruß – Silke

  2. Kathleen Weiß sagt:

    Hallo lieber Tang,

    immer wieder freue ich mich auf deine Beiträge, denn das Komische ist, dass du dich häufig in den gleichen Alltagsfragen bewegst, wie ich. Zur Zeit ist auch für mich Inspiration ein besonders wichtiges Thema.
    Das vergangene Jahr nahm mir besonders viel Energien, Ruhepausen gab es in den letzten Jahren schon zu wenig. Da bleiben Visionen auf der Strecke, woher sollen sie auch kommen? Inspiration?? Woher kriegen? Raum und Zeit für sich nehmen? Reicht das? Ja man darf eben nicht auf die Inspiration warten.
    Ich warte jedenfalls auf den 2. Teil.

    Bis bald und lass dich inspirieren!! – Kathleen aus Oldenburg

  3. wendy sagt:

    Lieber Tang,

    schön von Dir zu lesen, aber es hört sich doch alles schon ein bisschen anstrengend an. Hast Du nicht Lust auf einen Urlaub auf unserer schönen Insel, wo es eine so herrliche freie, die rechte Hirnhälfte aktivierende Energie gibt?
    Ich erkläre auf meinen Seminaren den Unterschied immer so: Intuition kommt aus dem Unteren Selbst, also die Stimme des Unterbewusstseins, und die Inspiration kommt von dem Hohen Selbst, also die Stimme unseres Hohen Bewusstseins. Das differenzieren zu können, ist eine Kunst! Wenn jemand sagt: „Meine innere Stimme hat mir gesagt, dass…..“, dann sage ich: „Ja wo kommt die den her, die Stimme? Wer war denn da an dem anderen Ende der Leitung?“ Da denkt man, man wird göttlich geführt und wird vielleicht durch ein spielen wollendes Unterbewustsein an der Nase ´rumgeführt…..

    Eine Umarmung von Herzen – Wendy

  4. Thomas Heise sagt:

    Ich weiß noch nicht ob ich inspiriert genug bin für diesen Beitrag… eben kam mir die Eingebung, so anzufangen: Daß ich immer öfter mir selbst – und zunehmend auch anderen – gegenüber für mein Nicht-Handeln nur diese einzige für mich schlüssige und befriedigende Erklärung vorbringen kann: „Ich bin nicht inspiriert (genug)!“ Womit auch mein Handeln erklärt wäre. Viel zu sehr vereinfacht könnte man mein Leben auf diese eine Formel bringen: Warten auf Inspiration. Und/Oder Intuition. Wenn diese dann da ist, geschieht „es“ einfach. Kaum ein „Ich“. Kaum ein „Wille“. (Gerne füge ich auch den Begriff „Imagination“ mit an, womit wir die drei „I“s hätten, die Rudolf Steiner wiederholt herausstellt. Sie sind der allererste Zugang zu/ Verbindung mit den sog. „Höheren Welten“.

    Ich könnte mich auch damit zufrieden geben, „daß nichts entstünde“: Wenn keine Inspiration: Dann eben nicht! – Aber versuch mal, auch nur eine Woche so zu leben …
    Ein bißchen Inspiration ist immer …

  5. Hallo lieber Tang,

    Dein Artikel gefällt mir wieder einmal sehr gut!! Besonders gut gefällt mir, dass ich Dich durch meine FB-Seite inspirieren durfte. JA, WIE SCHÖN IST DAS DENN?! I love it…

    Jeder inspiriert jeden, manchmal auch in negativer Form, sehr oft unbewusst.

    In meiner Welt, kommt die Inspiration von aussen auf mich zu, manchmal sind es nur kurze Impulse. Etwas was ich lese im vorüberfahren (LKW-Aufschrift, Plakat…..) manchmal auch absolut beabsichtigt durch ein Buch das ich z.Zt. lese und am allerliebsten durch den Austausch mit Menschen die mich umgeben. Family + Friends.
    Die Intuition kommt von innen. Meine weise Stimme, die alles weiss, der ich immer vertrauen darf und zuhören kann, wenn ich ganz still bin.

    Nun bin ich ganz gespannt, auf Deinen 2.Teil – Fühl Dich gedrückt,
    herzliche Grüsse – Martina

  6. Tang sagt:

    Super, Danke für die Kommentare!

    @ Silke – Du darfst immer widersprechen – hier ist der Platz, um es rauszulassen. Aber ich versteh Dich gut … oft ist es besser, den Widerspruchsgeist in seine Grenzen zu verweisen. Er zieht uns schnell in endlose gedankliche Beschäftigung. Ich kenn das gut: vom Babbeln ist noch nie ein Lied entstanden …

    * * *

    @ Wendy – Du kennst mich doch … ich suche immer den einfachsten Weg, ganz ohne Anstrengung. Die Fortsetzung dürfte Dir daher sicher gefallen. Ja, Tenneriffa wäre jetzt sicher prima! War das ne EInladung? 🙂

    Deine bildhafte Erklärung und Unterscheidung der Begriffe gefällt mir gut. Da für mich alles verbunden, alles eins ist, interessiert es mich nicht so genau, ob ein Einfall von oben herabfällt oder von unten heraufhüpft. Aber sich zu fragen »Guck mal wer da spricht?« ist in jedem Fall einen gute Empfehlung.

    * * *

    @ Thomas – Ja, dreimal »i« – das klingt gut. Ich höre bei Dir heraus, dass Du bei deinem Warten auf Inspiration nicht ungeduldig bist und damit den Raum schaffst, oder besser wahrnimmst, in dem es einfach geschieht. Mir geht es ähnlich. Wenn ich gelassen bin und mich dem Augenblick hingebe – und das geht auch im Alltag -, kommen die Eingebungen mit Leichtigkeit … oder sie machen auch mal Pause … spielt keine Rolle.

    * * *

    @ Martina – ja, Du hast den Funken geliefert … der zündende Funke für diesen Beitrag. Der Titel Deiner Seite schoss mir beim Joggen im Wald durch den Kopf, und ruckzuck hatte ich – wieder zu Hause angelangt – den Artikel fertig.

    Es ist wirklich interessant, wie diese Begriffe für jeden doch leicht unterschiedliche Bedeutungen haben und er damit dann auch etwas anderes verbindet. Jedenfalls klingt die Unterscheidung von Inspiration und Intuition aus Deiner Weltsicht schön praktisch und aufgeräumt. Ich frag mich gerade, ob ein neues Stück am Klavier bei mir eher von Außen oder von innen kommt? Spontan würde ich sagen: »Klar von innen!« Doch irgendwie fühle ich mich da trotzdem inspiriert.

    Ich glaube fast, das die Quellen gar nicht so wichtig sind, sondern wie wir mit dem Wasser umgehen, dass uns da erreicht. Lassen wir es vorbeirauschen oder können wir diese Geschenke mit offenen Armen annehmen? Unter welchen Bedingungen klappt das und wann nicht?

    * * *

    @ Kathleen – Da hast Du ja schon einen Inspirations-Killer genannt: »das Gefühl, keine Zeit zu haben!« Ich denke, da bist du dem Täter direkt auf der Spur. Ich kenn das nur zu gut.

  7. Anne Marsell sagt:

    Diese Ausarbeitung finde ich sehr gut und es ist für jeden Menschen sinvoll, sich mit diesen Zusammenhängen in seinem persönlichen Leben zu beschäftigen, sonst bleibt man leicht in einem Trott. Danke für diese Aufklärung.

    Anne

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