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»… Statt einer Mauer aus Widerstand in deinem Innern zu errichten, auf die ständig und schmerzhaft Dinge prallen, die »eigentlich nicht sein dürfen«, lass einfach alles durch dich hindurchgehen. Leiste keinen Widerstand. Es ist, als sei niemand mehr da, der verletzt werden könnte. Das ist Vergebung. Auf diese Weise wirst du unverwundbar …« (Eckhart Tolle – Leben im Jetzt)

Ich will jetzt nicht den Schlaumeier raushängen – aber mir war auf einer anderen Ebene schon früher klar, auf was die ganze Action der jüngsten Vergangenheit hinauslaufen würde.

»Und warum hast Du dann nicht immer weise und erleuchtet gehandelt, lieber Tang, wenn Du schon alles vorher wusstest? Wieso regst Du Dich ab und zu immer noch so prächtig auf und schreibst das auch noch in aller Öffentlichkeit?« – »Ganz einfach, weil ich nicht Eckhart heiße und meinen eignen Weg gehen muss – und weil ich immer noch gerne Geschichten aufschreibe, die mir das »normale« Leben zuflüstert 🙂 «

In diesem Artikel aber will ich es jetzt gerne auf den Punkt bringen und mir dazu Unterstützung von Gleichgesinnten – oder besser Gleichsinnigen – holen. Daher werde ich hier zitieren, was das Zeug hält.

Vor Tagen bin ich auf einen coolen Blog in Australien gestoßen: »UrbanMonk« und hab mir von Albert aus Melbourne das freundliche Okay geholt, einen seiner Artikel zu übersetzen und hier zu veröffentlichen. Warum soll ich mir was aus den Fingern saugen, das  ein Bruder im Geiste schon aufgeschrieben hat? Wenn die Übersetzung hier und da ein bisschen holpert, dann darfst Du sie gerne im Original nachlesen. »How to bring The Peace of Non-Resistance into your life now«.

* * *

Wie Du jetzt den Frieden der Widerstandslosigkeit in Dein Leben
bringst | urbanmonk.net

»Wenn Du heiß bist, sei total heiß – wenn Du kalt bist, sei absolut kalt.«

Ich habe vergessen, wo ich dieses Zitat gelesen habe, ich kann es leider nicht mehr finden, und ich weiß nicht einmal, ob ich es richtig zitiert habe. Aber selbst nach all dieser Zeit kann ich es immer noch nicht vergessen. Warum? Weil sich in seiner Einfachheit ein schönes, tiefes, kleines Geheimnis verbirgt.

Es ist der Schlüssel zu wahrer emotionaler Meisterschaft. In der jüngsten Serie über emotionale Meisterschaft haben wir darüber geredet, wie wir unsere bestehenden negativen Emotionen beseitigen können. Bedeutet dies das Meistern Deiner Gefühle? Klingt nicht danach. Wir haben lediglich soeben all das unerwünschte Zeug entrümpelt und die Widerstandslosigkeit vertieft. Wenn Du lange genug geübt hast, bist Du in der Lage, die gleichen Methoden auch Deine frischen Emotionen anzuwenden. Das kann sofort gefühlt werden, ohne jegliches äußeres Zutun, so dass sie keine Verwirrung in Dir stiften können.

Aber das ist keine wahre Meisterschaft. Wahre Meisterschaft ist, gar nicht erst unglücklich zu sein! Also: Kannst Du erraten, was das Geheimnis ist?

Nimm die Dinge, wie sie kommen

Kurz und knapp: Widerstandslosigkeit ist alles. Lass alles so sein, wie es ist. Kaum weltbewegend, ich weiß. Ich kann mir schon vorstellen, wie gerade jemand die Augen verdreht.

»Ist das nicht Akzeptieren, über was wir hier die ganze Zeit reden?« Ja, genau, aber wir erweitern nun unsere Praxis des Annehmens auf das ganze Leben.

Denk darüber nach. Warum kramen wir immer wieder unser Unglück hervor? Es ist ein instinktives »Nein«. Warum werden wir wütend oder traurig oder ängstlich? Das ist ein instinktives »Nein« zum Leben selbst. Mit alle dem sagen wir »Nein« zu etwas, was uns passiert ist, passiert ist oder passieren wird. Sobald Du Akzeptanz gegenüber deinen Gefühlen für eine Weile geübt hast, wirst Du beginnen, die Weisheit darin sehen.

Schon höre ich die Aufschreie. »Was? Sagt er etwa, dass ich mich von diesem oder jenem weiterhin verprügeln lassen soll? Meint er, ich sollte meinen Krebs akzeptieren und mich davon umbringen lassen? Sagt er, dass ich weiterhin in meinem Pappschachtel leben soll?«

Das ist die große Gefahr bei diesem Prinzip – es gibt viel Raum für Missverständnisse. Bitte erlaube mir, das zu erklären.

Die beiden Arten des Widerstandes

Lass mich deutlich machen, dass wir hier über inneren Widerstand reden. Äußere Handlung ist etwas anderes. Ich habe es bewusst nicht äußeren Widerstand genannt, denn wenn man im Außen Widerstand leistet, tut man dies auch innerlich. Äußere Handlungen auf der anderen Seite können völlig ohne inneren Widerstand ausgeführt werden.

Oft, wenn wir einmal den inneren Widerstand aufgegeben haben, ist eine äußere Aktion gar nicht mehr notwendig. Aber wenn sie nötig sind, werden diese Handlungen von einer weit höheren Qualität sein – alles, was aus einem inneren Zustand kommt, der frei von Negativität ist, wird für alle Beteiligten viel mehr Vorteile bringen.

Macht das Sinn? Mach dir keine Sorgen, wenn es im Moment noch nicht danach aussieht, aber es ist wichtig, das im Kopf zu behalten. Also lass uns das mal etwas detaillierter unter die Lupe nehmen:

Der innere Widerstand

Psychologen sagen: Wenn wir wütend sind, sind 90% davon psychische Übertreibung. Unser Verstand setzt ein und macht ein Ereignis schlimmer als es ist Ich würde sagen, das ist nur teilweise richtig. Alles kommt aus psychischer Übertreibung, oder genauer gesagt, es kommt von mentalem Widerstand. Unser Verstand setzt ein und macht es falsch, obwohl es korrekt ist.

Alle Ereignisse sind im Grunde neutral. Wir haben eine Reihe von internen »Sollen« und »Nicht-Sollen«, mit denen wir jedes Ereignis messen. Dies tun wir oft instinktiv, also gibt Dir selbst keine Schuld dafür. Dennoch, es bleibt die Tatsache, dass dies die hauptsächliche Ursache unseres Unglücklichseins ist.

Mein Auto ist kaputt – dass ein neutrales Ereignis. Auf Grund unserer internen Regeln aber sind wir frustriert – wir denken, es hätte nicht kaputt gehen dürfen. Nun könnte man meinen, dass es ja nicht das kaputte Auto ist, das Dich annervt – nein, es ist, weil Du Geld ausgeben musst, um es zu reparieren. Oder vielleicht musst Du Dir trotz Deines vollen Terminkalenders die Zeit nehmen, zur Werkstadt zu fahren.

Ist das nicht dasselbe? »Ich sollte dafür keine Kohle zahlen müssen, ich sollte das Geld lieber für Wein und Musik ausgeben. Ich würde meine Zeit lieber mit Gitarrespielen verbringen, als in der verdammten Werkstatt rumzuhocken!« Geld für die Autoreparatur ausgeben – ist neutral. Auf der Wartecouch in der Werkstatt sitzen – ist neutral. Es ist Dein Verstand, der es schlecht macht, der es übertreibt, der in den Widerstand geht.

Ohne den widerstrebenden Verstand können wir einfach die äußere Handlung annehmen in einem mentalen Zustand von Frieden. Klar, Du musst Geld und Zeit dranhängen, aber Du wirst es tun, ohne Dich aufzuregen. Ja, Du wirst in der Werkstatt warten und in einem schlüpfrigen Magazin blättern, aber Du wirst Dich nicht darüber aufregen.

Dazu ein Zitat von Mary Hemingway: »Mach Dir jeden Tag ein bisschen Sorgen – und Du wirst aufs ganze Leben ein paar Jahre verlieren. Wenn etwas falsch ist, mach es richtig, wenn du kannst. Aber trainiere Dich darauf, Dir keine Sorgen zu machen: Ärgern hilft nie etwas.« Sie war wohl ein Zen-Meister.

Sprechen wir kurz über diese »Sollen« und »Nicht-Sollen«. Sie sind oft seit jungen Jahren in uns verwurzelt. Vielleicht sagten uns unsere Eltern: »Guten Menschen passieren keine schlimmen Sachen.« Der Hausarzt hat gesagt, dass ein Apfel pro Tag Krankheiten fernhält. Vielleicht hat die Lehrerin erzählte, dass Freunde uns nie verraten. Was aber passiert, wenn du von deinen Freunden verraten wirst? Was passiert, wenn Du krank wirst? Was passiert, wenn du Pleite gehst? Diese wohlmeinenden Leute haben unseren Schmerz nur noch schlimmer gemacht. Die Tatsache bleibt, dass wir nicht alles, was geschieht, oder alle, die wir treffen, mögen oder lieben. Wenn man uns erzählt, dass unser Leben glatt läuft, wenn wir nur gut und brav sind, flößt uns das einen falschen Glauben ein, der uns am Ende nur verletzt.

Äußere Handlung
und äußerer Widerstand

Jetzt wollen wir mal die äußere Welt betrachten. Ich erwähnte Krebs zu Beginn des Artikels. Was ist damit? Meine ich, dass Du einfach nicht stirbst, mit Widerstandslosigkeit? Nein. Tu alles, um von außen Deinen Krebs zu heilen. Geh ins beste Krankenhaus, das Du Dir leisten kannst, finde die beste Behandlungsmöglichkeiten, aber gib jeglichen inneren Widerstand auf. Lass es so sein im Inneren wie es ist und konzentriere Dich in der Tat auf das Glücklichsein und die Freude des Lebens. Damit entwickelst Du kein Bedürfnis nach Unglücklichsein. Du fügst Deinem körperlichen Schmerz keinen inneren Schmerz hinzu. Wenn Du gehst, dann gehst Du in Frieden. Wenn Du gesund wirst, erholst Du Dich in Frieden. In der Tat macht Deine innere Ruhe es sogar wahrscheinlicher, dass Dein Körper zusammen mit der gewählten Behandlung Heilung erlangt.

Ein weiteres Beispiel: Du wurdest aus Deinem hochbezahlten Job gefeuert. Warum bist du unglücklich? Du denkst, sie hätten Dich nicht entlassen dürfen. Oder Du machst Dir Sorgen, Dich künftig abzurackern, um für Deine Familie zu sorgen, oder dass Du in einem schlechteren Job nochmal von vorn anfangen sollst.

Den inneren Widerstand gegenüber diesem Ereignis aufzugeben bedeutet nicht, dass Du es einfach so geschehen lässt, oder dass Du überhaupt nicht mehr arbeitest für den Rest Deines Lebens. Wenn Du zu Unrecht gefeuert wurdest, kannst Du sehr wohl Maßnahmen ergreifen. Du kannst mit Deinem Anliegen zu Deinem Chef gehen und ihm erklären, dass dies möglicherweise ein Missverständnis war und ihn bitten, seine Entscheidung fair zu überdenken – alles aus einer inneren Zustand der Ruhe und des Friedens heraus. Deine Ruhe macht ihn ruhig. Es gibt Dir die Möglichkeit, rational und logisch zu sprechen, und erhöht die Chancen, Deinen Job zurückzubekommen. Selbst wenn es nichts nützt, wirst Du nicht verärgert sein.

Aber wenn Du inneren Widerstand fühlst, gestaltet sich Dein äußeres Handeln ganz anders. Wenn Du damit auf Deinen Chef zugehst, wird Deine Negativität alles beeinflussen. Es kann eine unterschwellige Wut unter Deiner ruhigen Oberfläche sein, oder es kann auch Wettern und Schreien sein. In jedem Fall wird es für Deinen Chef auf diese Weise viel schwerer, die Dinge zu Deinen Gunsten zu sehen. Was aber, wenn Du keinerlei äußere Maßnahmen ergreifst? Du packst Deine Sachen und gehst nach Hause ohne großes Aufheben gegenüber Deinem Chef, aber innerlich grübelst Du herum und jammerst und weinst – Unglücklichsein!

Nun, wie sollten unsere äußeren Handlungen aussehen? Das sprengt natürlich den Rahmen dieses Artikels, aber meine persönlichen Leitlinien stammen aus dem Buddhismus: nutze die zwei Säulen aus Weisheit und Mitgefühl. Nimm Deine eigene innere Weisheit oder die, zu der Du Zugang hast ( beratende Menschen , die Du achtest z.B.), und verbinde es mit all Deinem Mitgefühl in Deinem Herzen für alle Beteiligten – einschließlich Dir selbst.

Vertiefe Deine Praxis der Akzeptanz

Nun, wie können wir das in unserem täglichen Leben üben? Im ersten Artikel über emotionale Meisterschaft haben wir erörtert, wie man direkten Zugriff auf seine Gefühle erlangt. Es ist der gleiche Prozess, also werde ich das hier nicht wiederholen.

Aber mach Dir keine Sorgen, wenn Du das nicht sofort anwenden kannst. Es dauert sehr lange, und wenn Du es verstanden hast und 24 Stunden am Tag praktizierst, dann bist Du wahrscheinlich erleuchtet.

Einer der Wege, dies zu üben ist die Meditation des leeren Geistes. Ich wiederhole: Es spielt keine Rolle, ob wir an einem heiligen Ort sitzen ohne jeglichen Zeitdruck, oder mitten im Alltag – die Widerstandslosigkeit ist die gleiche. Schalte Deinen Verstand aus über das Gefühl, oder beobachte Deinen Atem. Wir beginnen zunächst mit der formalen Meditation. Es ist wie Fahren lernen – anfangs müssen wir genügend Zeit mitbringen, um es zunächst richtig zu lernen, bis es zur zweiten Natur wird. Es ist das gleiche wie mit dem Ausschalten unseres Geistes und dem Beruhigen unsere Emotionen.

Nachdem wir die Grundlagen beherrschen, finden wir es leichter, unsere Gedanken und Emotionen auch in unserem Alltag zu beruhigen. Und nach einer Weile beginnen wir, Widerstandslosigkeit auf das ganze Leben anzuwenden – und nicht nur auf unsere Emotionen.

Wie wir Akzeptanz
in unser tägliches Leben bringen

Lass uns ein Beispiel nehmen, wie wir dies in unsere täglichen Aktivitäten einbringen können. Es war das erste Mal, dass ich das praktiziert habe – vor langer Zeit. Ironischerweise wurde ich förmlich in die Widerstandslosigkeit gezwungen. Es war mitten in einer 48 Grad Celsius Hitzewelle. Ich steckte mitten im Unterricht an der Abendschule. Der Ventilator war zwar an, aber mit 50 Personen im Raum brannten wir förmlich. Normalerweise hätte ich gehandelt, wie zum Beispiel geduscht oder hätte einfach den Raum verlassen –, aber ich wollte die Unterrichtseinheit beenden und zwang mich zu bleiben.

Ich konnte mich nicht konzentrieren. Meine Gedanken schweiften zurück in die Vergangenheit zu alten Schmerzen und Erinnerungen, egal was ich zu tun versuchte. Im Laufe des Unterrichts wurde meine Stimmung immer schlimmer. Die Hitze schien mir immer unerträglicher zu werden.

Ich stand schon kurz vor der Kippe, als ich plötzlich beschloss: Lass mich einfach heiß sein! Ich schaltete meinen Verstand ab, so dass es keinen Widerstand mehr gab. Wie? Ich ließ mich einfach die Hitze fühlen. Wie fühlte sich das an? Ein warmes Gefühl auf meiner Haut. Meine Haut war klebrig. Die Luft schien schwer. Ich erforschte einfach meine Sinne, fühlte alles absolut und vollständig. Monate später fand ich heraus, dass ich eigentlich durch Zufall meditiert hatte.

Genau wie alle Ereignisse in unserem Leben ist kein Gefühl in sich ist gut oder schlecht. Ohne den Verstand, das Ego, und den »Sollen« und »Nicht-Sollens«, bedeuten diese Empfindungen gar nichts. Nach einer Weile wurde die Hitze wurde sogar ganz angenehm.

Das ist der Grund, warum manche chronisch kranken oder behinderten Menschen Frieden finden inmitten ihrer Schmerzen – nach langem inneren Kampf fallen sie in Widerstandslosigkeit. Andere gehen den umgekehrten Weg – sie verwenden den körperlichen Schmerz, um ihre Unzufriedenheit und ihr Ego zu füttern.

Es ist das gleiche mit fast allem. Ob Du allein im Café sitzt und auf ein Date wartest, dass Dich versetzt, fühlt sich nicht anders an, als wenn Du alleine dasitzt, weil Du allein sein willst. Es macht nicht wirklich einen Unterschied, ob Dich jemand anschreit oder Liebesgeflüster ins Ohr haucht. Unser Mind macht den Unterschied. Es mag Dein Ego verletzten, oder Deinen Stolz verletzten, aber was Du wirklich bist, Dein innerster friedlicher Wesenskern, ist davon nicht betroffen.

»When hot be thoroughly hot, when cold be thoroughly cold.« – Wenn Du heiß bist, sei total heiß – wenn Du kalt bist, sei absolut kalt.

Diesen ersten und letzten Satz aus Alberts Artikel genau zu übersetzten, ist wirklich schwierig, aber die Message ist klar: Hingabe! Gib Dich dem hin, was gerade dran ist und zwar ohne Widerstand – ob heiß oder kalt. Lauwarm bringt Dich nicht weiter.

* * *

Ich werde Alberts Artikel nicht kommentieren – ich liebe ihn einfach -, sondern lieber durch ein bisschen Eckhart Tolle ergänzen:

Eckhart Tolle über Widerstandslosigkeit

 

… Ein buddhistischer Mönch sagte einst zu mir: »Alles, was ich in den zwanzig Jahren als Mönch gelernt habe, kann ich in einem Satz zusammenfassen: Was entsteht, vergeht auch wieder. Das weiß ich.« Er meinte damit natürlich dieses: Ich habe gelernt, dem, was ist, keinen Widerstand entgegenzusetzen; ich habe gelernt, den gegenwärtigen Moment zuzulassen und die vergängliche Natur aller Dinge und aller Umstände anzunehmen. So habe ich Frieden gefunden.

Dem Leben keinen Widerstand entgegenzusetzen bedeutet, in einem Zustand von Gnade, Mühelosigkeit und Leichtigkeit zu sein. Dieser Zustand ist dann nicht mehr davon abhängig, dass alles auf bestimmte Art und Weise läuft. Es scheint fast paradox, aber wenn deine innere Abhängigkeit von Form verschwunden ist, werden sich deine allgemeinen Lebensumstände und äußeren Gegebenheiten wahrscheinlich stark verbessern. Dinge, Menschen oder Umstände, die du für dein Glück zu brauchen glaubtest, kommen jetzt ohne deine Mitwirkung, ohne Mühe auf dich zu und du kannst dich an ihnen erfreuen und sie würdigen – solange sie da sind. All diese Dinge werden natürlich auch weiterhin wieder verschwinden, Zyklen werden kommen und gehen, aber mit dem Verschwinden der Abhängigkeit verschwindet auch die Angst vor dem Verlust. Das Leben fließt mit Leichtigkeit.

Das Glück, das aus einer Sekundärquelle entspringt, ist nie sehr tief. Es ist nur ein matter Abklatsch der Freude des Seins, des pulsierenden Friedens, den du in dir entdeckst, wenn du in die Widerstandslosigkeit eintrittst … (Eckhart Tolle – Jetzt! – die Kraft der Gegenwart)

* * *

Ich glaube, jetzt wird noch deutlicher, was ich im letzten Artikel über das Wellenreiten gemeint habe. Auf der Welle zu surfen und in Stille gegenwärtig zu sein ist kein Widerspruch, sondern ein und dasselbe. Genauer gesagt ist die Gegenwärtigkeit die Voraussetzung dafür, den Alltag ohne Reibungsverluste zu meistern. Es geht mir übrigens nicht darum, Meditationsformen, die eine stille Umgebung, oder andere ideale Bedingungen fordern, zu kritisieren. Ich selbst habe eine besondere Vorliebe für Bergwandern oder Sauna. Aber wenn sich das im Alltag nicht weiterleben lässt, dann ist es für mich noch nicht das Gelbe vom Ei.

Dazu fällt mir abschließend ein Zitat von Papaji ein aus seinem Buch Wake up and Roar – Wach auf – Du bist frei! … komische Übersetzung des Verlages für »brüllen!«

»… Menschen, die als Beobachter und Objekt der Beobachtung meditieren, praktizieren eigentlich Dharma auf Sanskrit… Dharma ist gut, um den Verstand von seiner Tendenz, in einer Sekunde viele Male von Objekt zu Objekt herumzuschweifen, zu einem Objekt zurückzubringen. Also kann es gut sein, ihn durch Konzentration zu einem Objekt zurückzubringen. Das ist genauso, als ob man den Schwanz eines Hundes festhält. Solange Du ihn festhältst, ist er gerade. Wenn Du ihn loslässt, biegt er sich wieder. Es ist nicht die Natur des Schwanzes gerade zu sein!…«

Der Verstand wackelt sozusagen immer wie ein Hundeschwanz, wenn er losgelassen wird. Das ist seine Natur. Nur dort wo er nicht hindenken kann – ins Jetzt – ist er wirklich still! Dort sind wir im »gedankenlosen Raum« – »mindless space«, der uns Frieden schenkt.
Zu diesem Thema gibt es inzwischen einen ganzen Artikel: Meditation und Dackelschwanz.

Foto: © Unbekannt | UrbanMonk

* * *

 

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8 Responses to Leben ohne Widerstand

  1. Mathias sagt:

    … das hast Du aber schön gesagt/zitiert 🙂 – No Mind für alle!

    Liebe Grüße – Mathias

  2. Dörte sagt:

    Vielen Dank Tang,

    da hast Du tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen, und es passt sehr schön zu dem Zitat, das Du im letzten Artikel noch nachgereicht hast „sei konsequent flexibel“ (das werde ich mir jetzt auf meine „Erziehungsfahne“ schreiben. 😉 Es tut gut, immer wieder daran erinnert zu werden, weil ich oft merke, dass in mir nur Wut aufkommt, weil ich mich innerlich widersetze oder ein Dickkopf auf den anderen prallt…

    Ich finde es auch sehr wichtig, zu lernen, im Alltag immer wieder bei mir anzukommen. Man kann sich halt nicht immer stundenlang zum Meditieren zurückziehen (zumindest klappt das bei mir irgendwie nicht), und ich stelle tatsächlich gerade fest, dass es möglich und sinnvoll ist, diese Übungen einfach immer wieder im Alltag unterzubringen.

    Liebe Grüße – Dörte

  3. Ortrun sagt:

    Das Leben ist einfach wunderbar. Die Tatsache, dass wir des Fühlens fähig sind ist schon ein Wunder… dass wir Lachen und Weinen können, den Regen fühlen und die Sonne…

    Es ist Glück, da zu sein… immer…

    Und es gibt so viele wundervolle Dinge… der Zustand des Lebendigseins – ein einzigartiges Geschenk für kurze Zeit… und Musik… wie herrlich, dass wir sie hören können… und die wunderbaren Menschen, die wir lieben und die uns lieben… wie schön es doch ist, diese Zeit miteinander zu teilen. Es ist eben ein Wunder… das Leben!

    Und wir wissen nie wie lange es geht…

  4. Karin Limmer sagt:

    Lieber Tang,

    Danke für die schönen schlauen Erkenntnisse. Tut immer wieder gut, das alles zu vertiefen!

    Bis bald – Karin

  5. Anne Marsell sagt:

    Ich kann mich nur Karin anschließen. Es tut immer wieder gut, diese Erkenntnisse, die im Alltag „lebenswichtig“ sind, um in relativem Frieden leben zu können, zu vertiefen und zu versuchen, danach zu handeln. Es lohnt sich.

    Vielen Dank für diese wertvolle Arbeit – Anne Marsell

  6. Silke sagt:

    Hallo Tang,

    war sehr interessant zu lesen. Aber ich finde nicht, dass man die Wut so ablehnen sollte. Wenn man wütend ist, ist man es einfach, finde ich. Und mir würde etwas fehlen, wenn ich nie wütend wäre. Wut hat doch viele Menschen in ihrer Kreativität beflügelt. Zum „heiß Sein“ gehört auch die Wut. Ich finde es völlig OK, wenn man mal wütend ist. Ist doch sonst bloß eintöniges Gefühlsgeplätscher 😉
    Ich freu mich auf die nächsten Tage.

    Viele Grüße – Silke

  7. Tang sagt:

    Zuerst einmal: Ganz lieben Dank für eure Kommentare 🙂

    @ SIlke – Du hast DIr wohl schon gedacht, dass ich zu Deinem Kommentar noch ein bisschen Senf dazu geben würde 😉 – Nun hier kommt er.

    Ich stimme Dir zu, dass es wenig Sinn macht, egal welche Emotion – wenn sie hochkommt – abzulehnen. Das wäre ja genau der Widerstand, um den es hier geht. Ob ich selbst die Wut als ultraenergiegeladene aggressive Emotion als wünschenswert ansehe, bleibt dahingestellt. Soweit ich mich zurückerinnern kann, habe ich sicher auch mal aus Wut und dann Trotz was Kreatives angestoßen im Sinne von »Jetzt zeig ich’s euch allen!« Aber damit daraus was Fruchtbares entstehen konnte, musste die Wut zuerst ihrer aggressiven und destruktiven Komponente beraubt sein. Nur dann ist es keine Wut mehr – allenfalls Ärger oder Traurigkeit. Echte Wut braucht vor dem Vulkanausbruch schon dieses Aufstauen von Gefühlen. Albert spricht im Artikel vom »Nein«, von der Ablehnung gegenüber irgendetwas, was da ist und uns stört, etwas dass wir nicht annehmen können, vielleicht sogar hassen.

    Wenn die Wut kommt, dann muss ich für kurze Zeit blind und unbewusst werden – sonst kann das Monster nicht richtig toben. Okay, die Wut gehört irgendwie dazu und ist ein großartiger Spiegel für unsere Abgründe. Aber jedes Mal, wenn sie wiederkommt, verrät sie sich ein bisschen mehr und ich werde ich wacher.

    Bei Wikipedia steht zur Wut Folgendes:

    »Die Wut ist eine sehr heftige Emotion und häufig eine impulsive und aggressive Reaktion, ausgelöst durch eine als unangenehm empfundene Situation oder Bemerkung, z. B. eine Kränkung. Wut ist heftiger als der Ärger und schwerer zu beherrschen als der Zorn. Wer wütet, zerstört blindlings. Wer häufig in Wut gerät, gilt als Wüterich.«

    Bei Joy und Ray heißt die Wut »Ärgermonster«, dass immer hungrig ist und fressen will. Es ernährt sich von Ärger und Wut. Inzwischen machen wir ein Spiel daraus, dem Monster ein Schnippchen zu schlagen, indem wir es kitzeln und zum Lachen bringen. Dann muss es sofort wieder einschlafen und kann nicht weiter toben.

    Ach, wie ich dieses Thema liebe … Schreibt doch noch ein bisschen über eure Erfahrungen!

  8. Christel sagt:

    Ich grüße dich von Herzen… und ich sende dir den Satz, von dem du nicht mehr weißt, wo er herkommt.

    Jesus sagte: »Sei heiß oder kalt, aber nicht lauwarm!«

    Lieben Gruß
    Christel

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