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»Liebe machen« ist zumindest im Englischen die freundlichste Umschreibung von »Sex haben«. »Sich lieben« wiederum ist je nach Zusammenhang mehrdeutig. Man kann es aktiv tun oder als inneren Zustand erleben, alleine oder zu mehreren – meist als Paar. Das, was beim »Liebe machen« energetisch stattfindet, kennt viele Spielarten. Vom ausgehungerten Wollen und Begehren bis hin zum ausgewogenen Verbinden von Ying und Yang.

Die erste Variante kennt auch das, was beinahe an eine Art Vampirismus grenzt – wie das Stillen eines Hungers, der am Ende einen satten Energiestaubsauger und ein schlappes blut- oder besser saftloses Opfer zurücklässt. Obwohl das natürlich für beide Geschlechter gilt, gehe ich hier mal mit Augenzwinkern ganz bewusst in Männersolidarität. Zum Glück gibt es ja Spiegeleier und anderes, um den Eiweißverlust wieder auszugleichen.

Aber was ist mit dem inneren Ausgleich? Das, was bei dieser Vampir-Nummer stattfindet, hat mit Liebe im Grunde nichts mehr zu tun, sondern viel mehr mit einer begrenzten Vorstellung von Liebe. Da gibt es ein Mangelgefühl, dass gerne als wichtiges Grundbedürfnis daherkommt, und dieser Mangel will gefüllt oder gestillt werden. Ein Spiel wie im »richtigen« Leben mit Tätern und Opfern, Gewinnern und Verlierern – eine Art Kampfsport.  Daran ändert auch der Umstand nichts, dass viele Paare diese gegenseitige Aussaugerei zur Beziehung kultiviert haben. Das ist dann allenfalls eine Art Symbiose, in der das gegenseitige Nähren in Abhängigkeit stattfindet. Kennzeichen ist das gegenseitige Brauchen. Das wahre Potential dessen, was sich da im kurzen Moment des Orgasmus entlädt und Raum verschafft, wird meist nicht erkannt.

Gipfelstürmer und Genusswanderer

Was aber geschieht, wenn wir uns beim »Liebe machen« nicht im Mangelzustand begegnen und die Vorstellung, sich da was zu holen, was man braucht, völlig irrelevant ist? Dann wird die sexuelle Begegnung zu einem Festakt, den wir lustvoll und freudig zusammen feiern können. Wie bei genussvollen Bergwanderern verliert der Gipfelsturm an Wichtigkeit und macht damit Platz für den Genuss am gemeinsamen Erleben und der Schönheit des Augenblicks. Selbstverständlich ist das orgastische Gipfelerlebnis ein Teil der Wanderung, und eröffnet dem, der diesen Moment bewusst genießen kann, einen gigantischen Ausblick von einem himmelsnahen Ort auf das große Ganze. Aber diese Wanderer können jederzeit ohne Reue oder Verlustgefühl zurück ins Tal kehren, auch wenn sie nicht ihren Namen ins Gipfelbuch geschrieben haben.

Verlieben und Verstricken

Ich wurde schon des Öfteren in meinem Leben gefragt: »Und Tang, bist Du jetzt verliebt?«
»Nö, ich verlieb mich nicht! Ich bade stattdessen gerade in Liebe. Das tue ich im Grunde die ganze Zeit, nur in meiner Badewanne mag ich gerade nicht die ganze Menschheit – dann läuft ja das Wasser über -, sondern die teile ich jetzt mit einem Menschen, den ich ganz besonders gerne in meiner Nähe habe.« Meine Antwort wurde entweder lächelnd verstanden oder kopfschüttelnd als verrückt abgetan.

Wenn ich Liebe als die Ursubstanz des Universums annehmen kann, die alles durchdringt und alles vereint – dann ist auch jede tiefe persönliche Liebesbeziehung sozusagen ein Mini-Universum, das sich da vor mir entfaltet. Ob ich diese Ursubstanz wahrnehmen kann, hängt von meinem Bewusstseinszustand ab. So wie im Gleichnis vom Fisch im Ozean:

»Wenn ich als Mensch über Liebesmangel klage, dann ist das, als ob ein Fisch im Ozean über Wassermangel klagt.«

So gesehen schwimmen wir im Grunde ständig in der Suppe, die wir so gerne löffeln mögen. Es braucht nur den bewussten Einsatz unserer Sinne, sie zu riechen, zu schmecken, zu fühlen. Naja mit Suppe klappt das wohl nur begrenzt.

»Aber, Tang, es ist doch ganz normal, dass man mit jemandem, den man liebt, ständig oder wenigstens so oft es geht zusammen sein möchte, oder?«
Das ist vielleicht »normal«, aber entscheidend ist dabei das Motiv. Denn in welche Sackgassen uns »normal« geführt hat und täglich immer wieder führt – darüber brauchen wir sicher nicht zu diskutieren. Es macht einen riesen Unterschied, ob ich mit jemandem gerne zusammen bin – »Zusammen Sein« ist wörtlich genommen eine Form des »All-eins-Sein«. Oder aber ich habe das Gefühl, den anderen zu brauchen – zu brauchen für mein Glück oder mein Seelenheil. Dann schwingt Bedürftigkeit und das Gefühl von Unvollständigkeit mit. In dieser Form benutze ich den Anderen letztlich zur Befriedigung meiner Bedurfnisse oder zur Besänftigung meines inneren Un-Friedens. Auch wenn das vielleicht einen Weile gut geht, solange die Kühlschranke der beiden Hungrigen noch voll genug sind und bereitwillig das Essen geteilt wird, ist es auch zugleich der Anfang vom Ende, denn das hat mit wahrer Liebe – mit bedingungsloser Liebe nichts zu tun.

Bedingungslose Liebe

Kennst Du das auch? Das Schwärmen von der bedingungslosen Liebe im Single-Zustand. Es erscheint dabei völlig logisch, dass der Freiheitsdrang des Herzens sich auch ganzheitlich ausdrücken möchte und dafür seinen Raum braucht. Wird diese Freiheit jedoch gewährt, ist damit nicht zwangsläufig jeder zufrieden. Diese Freiheit auch täglich in voller Bandbreite zu leben, geht meist gegen alle Gewohnheiten und Vorstellungen, die wir in Bezug auf Liebesbeziehungen und Partnerschaft auf unserer Festplatte gespeichert haben.

Genau hier beginnt die größte Herausforderung für die Liebenden! Kann das tiefe Erlebnis des Einssein – zum Beispiel beim Sex – zur Erkenntnis führen, dass dies bereits das Maximum ist, welches es lediglich auf das normale Zusammenleben zu übertragen gilt? Es ist eines der ältesten und klarsten Portale ins Jetzt. Das gemeinsame orgasmische Erleben fühlt sich so richtig an, dass es dafür keiner Erklärung bedarf. Ich würde fast sagen: Die Liebenden gehen tief verbunden für einen unendlich wertvollen Augenblick hinüber in die zeitlose göttliche Dimension – den Hyperraum, wie ich das im vorangegangenen Blog-Artikel genannt habe. Es ist jedes Mal eine wiederkehrende Einladung, diesen Raum dauerhaft zu bewohnen – ihn nicht wieder zuzusperren, sondern den Zugang offen zu halten.

Klappe auf – Klappe zu

Wie aber halte ich diesen Kanal offen? Indem ich erkenne, dass es nichts aber auch gar nichts weiter braucht, als die Magie des Augenblicks. Dieses Bewusstsein macht aus der Idee von Zeit eine Perlenschnur von Augenblicken, und das Konzept von Vergangenheit und Zukunft verblasst zur Illusion.

Und wie fällt die Klappe sofort wieder zu? Indem ich zulasse, dass mein Verstand sich unbemerkt dieser Perlenschnur bemächtigen kann. Bei dieser Übernahme geht es oft höchst raffiniert zu. »Ja Schatz, ich weiß ja, wie wunderbar es ist, diese gemeinsamen Momente zu genießen! Aber …!« Mit diesem »Ja, aber« nimmt das Unheil seinen Anfang. Ein durchaus passendes Wort: »unheilig« = unvollkommen, das Gegenteil von »heil« = ganz. Der Buchhalter im Kopf möchte doch nur ganz harmlos aus dem wunderbaren Moment einen Fortsetzungsroman schreiben.

Was ist daran so schlimm? Weil das nicht geht! An die Perlenschnur der Augenblicke wird unbemerkt etwas angeknotet: Zeit! Das ist aber eine völlig andere Leine. Sie ist nicht aus den hauchdünnen Fäden der Momente gewebt, sondern besteht verglichen damit aus festen, starren Kettengliedern, geschmiedet aus Vorstellungen und Konzepten, die ich Gott weiß woher in meinem System mitschleppe, und die jetzt wie unsichtbare Krankheitserreger in die Blutbahn gelangen. Diese Kette hat Gewicht! Sie zieht und zerrt an mir und drängt sich tagtäglich immer mehr in den Vordergrund meines Denkens und Handelns. Das »Sein« gerät in Vergessenheit.

Er-Innerung

Wenn ich in diese Falle gerate sind, gibt es nur einen Ausweg: Er-Innerung! Wie war das noch ganz am Anfang, als es richtig gefunkt hat? Was ist denn das Besondere an der rosa Wolke? Kopflosigkeit! Ja, das klingt fast wie eine belächelnde Betrachtung von Außen, wenn man sich frisch Verliebte anschaut. Aber neben dem ganzen Hormon-Cocktail, der die Körper in diesem Zustand durchflutet, gibt es da noch etwas absolut Richtiges und Wundersames: Die unbeschreibliche Kraft, die aus dem Augenblick erwächst, das Potenzial, das sich für jeden Beteiligten entfaltet. Und genau das gerät wortwörtlich »mit der Zeit« in Vergessenheit! Es wurde wahrscheinlich in dieser Weise noch nie bewusst wahr genommen, obwohl es doch mit jeder Faser des Körpers und Geistes erlebt wird. Ja, es ist die Zeit, die uns aus der Gegenwärtigkeit herauslockt. Dann übernimmt Schritt für Schritt der Verstand wieder das Drehbuch der Ereignisse.

Beziehung und Partnerschaft

Ehrlich gesagt mag ich weder den einen noch den anderen Begriff. Ein Zustand, wo ich an jemandem oder ein anderer an mir »zieht«, ist ziemlich unerfreulich. Genau das passiert aber in vielen »Beziehungen« tagtäglich. Das enlische Wort »relationship«, das man frei auch als »Verhältnis« übersetzen könnte, ist im Deutschen eher negativ besetzt und klingt neutral gesehen genauso lieblos. Ebenfalls ohne jede Liebe im Begriff kommt »Partnerschaft« daher. Die kann man sowohl geschäftlich als auch privat haben.

All diese Begriffe kommen gänzlich ohne Liebe aus. Das ist ziemlich schade, aber die deutsche Sprache ist da sehr präzise. Liebste, Liebhaber, Geliebte … da steckt es wenigsten im Wort drin. Finden wir in diesen Begegnungsformen verglichen mit den erstgenannten etwa mehr Liebe? Das würde ich nicht ganz ausschließen. Möglicherweise unterscheidet die Sprache ja ganz sachlich traditionelle Formen der Absicherung wie Ehe oder andere Bündnisse und lässt da bewusst die Liebe raus.

Solange wir das aber nicht mitspielen und eine neue bewusste Dimension mit in diese Formen bringen, ist es im Grunde völlig egal, ob wir nun heiraten, wilde Ehen führen oder Verhältnisse haben. Wenn wir Formen, Vorstellungen und Bedingungen da rauslassen, wird sich Liebe als unsere Essenz ganz von selbst entfalten und uns reich beschenken. Da kommt dann schnell das Gefühl auf, die ganze Menschheit knutschen zu können. Da das praktisch nicht so einfach ist, wünsche ich uns allen die Begegnung mit liebenswerten Menschen, die das mit uns teilen möchten und können.

Im folgenden Video von Jeff Foster, den ich über meinen Freund Puppetji kennelernen durfte, spricht er auf wunderbare Weise über das was in sogenannten Beziehungen – relationship – tatsächlich und ohne Interpretation oder Intervention des Verstandes geschieht. Im Grunde verabschiedet er sich von dieser Begrifflichkeit. Er beraubt die Verbindung zwischen Mann und Frau jeglicher Illusion und schafft damit zugleich den Raum für das Magische und Wunderbare. Fast mit den Naivität eines Kindes beschreibt er die Einfachheit und Schönheit jedes kleinen Moments im Zusammen-Sein. Enjoy 🙂

Der letzte Senf zur Beziehungs-Wurst

Zum Abschluss möchte ich Dir – falls Du diesen Artikel noch nicht gelesen hast – Ende der Beziehungskiste – neue Chance für die wahre Liebe wärmstens empfehlen. Dort findest Du noch ein paar andere Perspektiven und Aspekte zu diesem Thema. Alles zusammen ist dann die optimale »Gehirnwäsche« in Sachen Liebe und Co. 🙂

Foto: Loving Couple (Mithuna) – Metropolitan Museum of Arts, NYC
östliche Ganga Dynastie – Indien, 13. Jahrhundert
© Wally Gobetz, NY | flickr.com

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One Response to Making Love – Liebe machen? Being in Love – In Liebe Sein!

  1. Anna Amrhein sagt:

    Lieber Tang,

    gefällt mir sehr gut Dein Artikel. Ist mir nat. sehr vertraut durch die Arbeit mir Barry Long und Diana Richardson. Die Kunst ist schon immer wieder, dies im Alltag in Bewusstsein aufrecht zu erhalten. Schade, dass der Clip keine Untertitel hat für die weniger gut English sprechenden Besucher.

    Grüß Dich herzlich
    Anna

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