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Macht es einen Unterschied, ob Kinder »Mama und Papa« sagen, oder ihre Eltern mit Vornamen ansprechen? Ist das Gefühl dazu bei Kindern und Eltern gleich? Ist das alles egal oder gibt es da noch versteckte Dinge, die es lohnt mal anzuschauen?

Vati, Papi, Papa, Pa, Dad, Alter, Erzeuger …

Bevor ich etwas schreibe, bin ich mir gerne über die Begrifflichkeiten im Klaren. Daher für alle: die beiden Elternteile eines Kind – Mutter und Vater – haben in den Sprachen der Welt diverse Kurzformen und Kosenamen. Im Deutschen kenne ich für Vater z.B. Vati, Papi, Papa, Pa, Dad, Alter, Erzeuger und einige mehr. Ähnlich Namen gibt’s auch für die Mütter: Mama, Mami, Ma, Mutti, Muttchen, Alte usw. Das Wort »Papa« gibt es laut Wiki immerhin in 71% aller Sprachen auf der Welt.

Wen oder was meinen Kinder, wenn sie Mama oder Papa sagen?

Aus der gleichen Quelle stammt auch folgendes: »Untersuchungen von Virginia Volterra im Jahre 1979 ergaben, dass die ersten Wörter eines Babys gewöhnlich noch nichts Konkretes bezeichnen. So steht der Begriff »Mama« eher für einen Aufruf oder eine Bitte als für die Mutter. Der Ausruf »Papa« kam dagegen in Situationen vor, die direkt oder indirekt mit dem Vater zu tun hatten. So beispielsweise wenn das Kind auf den Arm genommen werden wollte, was meist der Vater zuvor tat. Auch hier stand das Wort »Papa« nicht für den Vater. Volterra bestimmte eine zweite Phase, wonach der Begriff »Papa« nun auch für Vermutungen und Wünsche, die mit dem Vater zu tun haben, verwendet wird, beispielsweise wenn das Kind denkt, dass der Vater gleich ins Zimmer kommt. In der nächsten Phase wird der Begriff auf den Vater bzw. auf Situationen, die direkt mit ihm in Zusammenhang stehen, konkretisiert. In der letzten Phase verallgemeinert das Kind den Begriff »Papa«, indem es alle erwachsenen Männer so benennt.«

Vielleicht war das ja unbewusst der Grund, warum ich nicht eine Allgemeinbezeichnung zum Namen haben wollte und mich meinen Kids immer als »Tang« präsentiert habe.

Die Un-Person – wenn man sein Kind in der dritten Person anredet

Kleines Nebengleis: Ihn habe auch nie in der dritten Person mit meinen Kids gesprochen: »Der Tang geht jetzt einkaufen – wir müssen den Ray jetzt schnell anziehen, damit er draußen nicht friert!« Diese Art von Sprache fand ich immer sehr bedenklich und befremdend. Zum einen würde ich nicht wollen, dass jemand mit mir so redet – und zum anderen ist so eine Formulierung wirklich völlig unpersönlich und kopfig. Da wird von Personen, die sehr wohl anwesend sind gesprochen, als ob sie Fremde wären in irgendeiner Geschichte weit weg vom jetzigen Moment.

Blut ist dicker als Wasser

Zurück zu Mama und Papa. Ich wage mal zu behaupten, dass die emotionale Bindung von Eltern und Kindern nicht von der Namensgebung abhängt. Sie kann aber später über diese Begriffe und die dazugehörige Erinnerung wieder abgerufen werden bzw. hochkommen. So ist das mit allen Erinnerungen – guten wie schlechten. Meine Recherchen über Trennungskinder hat mir die Illusion frühzeitig geraubt, dass es mit Mutter und Vater was ganz Besonderes auf sich hat, wie z.B. die tiefe Verbindung der Blutsbande. »Blut ist dicker als Wasser«, und natürlich all die religiösen Glorifizierungen von Mutter und Vater. Mir gefällt viel eher die Vorstellung, dass wir uns unsere Eltern irgendwie ausgesucht haben und vielleicht schon vorher eine spirituelle Verbindung zu diesen Menschen besteht. Es wäre jedoch engstirnig, diese Verbindung auf zwei Personen zu beschränken. Das kann ich zwar nicht beweisen, aber es deckt sich durchaus mit meinen persönlichen Erfahrungen.

Die wichtigsten Bezugspersonen für Kinder sind nicht zwangsweise an Mamas Nabelschnur oder Papas Erzeugerstolz gebunden. Da spielt es vielmehr eine Rolle, wer uns in jüngsten Jahren seine Liebe, Aufmerksamkeit und Zeit schenkt. Diese Flexibilität schmeckt unserem Ego als Eltern vielleicht nicht so recht, aber diese Anpassungsfähigkeit ist unter anderem auch ein Grund für das erfolgreiche Überleben unserer Spezies.

Mein eigen Fleisch und Blut

Wie ist das nun mit Mutter- und Vatergefühlen wie »mein eigen Fleisch und Blut« etc.? Ich glaube, da liegt der Hund begraben für viele Eltern, die auf Mama und Papa so viel Wert legen. Denn im Grunde wäre es ja egal, welcher Name da ausgesprochen wird. Aber hier kommt die Welt der Vorstellungen und Rollen mit alle ihren bekannten Strukturen ins Spiel. Als Eltern werden wir mit einem enormen Vertrauensvorschuss seitens der Kinder beschenkt. Das gibt uns Macht und zugleich Verantwortung. Viele von uns und besonders die Generationen unserer Eltern können davon ein leidvolles Lied singen. Nicht ohne Grund haben Begriffe wie Zucht und Ordnung, Gehorsam usw. ihren Weg in die Erziehungskunst gefunden und sind nur schwer aus den Köpfen und dem täglichen Verhalten zu verbannen.

Name ist Schall und Rauch …

In Goethes Faust I, zu Beginn der zweiten Szene − Marthens Garten − stellt Margarethe an Heinrich die sprichwörtlich gewordene Gretchenfrage:

»… Nun sag. Wie hast Du’s mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann.
Allein, ich glaub, du hältst nicht viel davon?«

Faust antwortet ausweichend und liefert Gretchen einen erweiterten Gottesbegriff:

»… Nenn es dann, wie du willst,
Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott!
Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch, Umnebelnd Himmelsglut.«

Vielleicht gilt das auch für unserer Frage, denn es kommt wohl tatsächlich auf die Gefühle an, die mit der Nennung von Namen und Bezeichnungen einhergehen. Das wir uns mit Namen identifizieren ist letztlich genauso zu betrachten wie jede andere Identifikation mit äußeren Dingen: »Mein Name, mein Haus, meine Frau, mein Kind, meine Visacard …« Es ist die Bedeutung, die wir den bezeichneten Dingen und Objekten geben, die den Unterschied ausmacht – z.B. ob uns etwas wichtig oder nichtig ist.

Namen und Macht

Namen haben in vielen Kulturen und auch in unserer Gesellschaft seit Jahrhunderten auch etwas mit Macht zu tun. Schon Rumpelstilzchen wusste das. Als sein Name herausgefunden und genannt wurde, war der Bann gebrochen – die schöne Müllerstochter und neue Königin hatte nun Macht über den hässlichen Zwerg, und das riss ihn mitten entzwei – sozusagen Selbstmord aus übertriebener Namens-Identifikation.

Sind wir heute noch genauso? Schließlich überlegen junge Eltern oft monatelang, wie das Kleine nun heißen soll. Der Klang, die Bedeutung des Namens und auch der aktuelle Trend fließen in diese Entscheidung ein. Und dann verweigern wir den gleichen Kindern, uns bei unserem Namen zu nennen und legen ihnen eine – sagen wir mal – allgemeine Gattungs- und Funktionsbezeichnung in den Mund. Komisch, oder? Vielleicht wollen wir ja Macht über sie haben – aber nicht umgekehrt. Früher – nur wenige Generationen zurück – mussten die Kinder Vater und Mutter respektvoll mit »Sie« und »Ihr« sowie »Herr Vater« oder »Frau Mutter« anreden. In diesen Anreden wurden ziemlich deutlich Autorität und Machtverhältnisse innerhalb der Familie bekundet und demonstriert. Heute ist das natürlich alles anders – oder vielleicht doch nicht? Unterschwellig und unbewusst schwingt da vielleicht beim ein oder anderen noch viel mehr aus der Vergangenheit mit, als uns lieb sein mag.

Christentum und Namensgebung

Im Rahmen der Kinder- bzw. Säuglingstaufe werden heutzutage Taufe und Namensgebung oft zusammengelegt. Das war nicht immer so. Die Namensgebung durch Gott hat aber mit dem Eigennamen, den die Eltern auswählen nichts zu tun. Bei der Taufe geht es weniger um Individualisierung als viel mehr um Aufnahme in eine Gemeinschaft.

Christus sprach zu seinen Jüngern:
»… Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende …« – Matthäus 28,19-20

Und so hören wir bei jeder christlichen Taufe die Worte:
»Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes … «

Ein beliebter Taufspruch ist auch:
»… Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein …« –  Jesaja 43,1-2
Er verspricht dem Getauften von Gott gesehen zu werfen sowie Schutz und Liebe. Hier geht es nicht mehr um Unterscheidung oder Macht – sondern um  Liebe und  Fürsorge.

Meiner Lebensphilosophie entspricht es eher, den christlichen Gottesbegriff auf Alles was Ist universell zu erweitern. In diesem Fall fließt das Individuelle wieder ins große Ganze ein und wir sich dessen bewusst.  Mit dieser Erkenntnis wird die Namensfrage im Grunde wieder bedeutungslos und somit »Schall und Rauch.« Ich glaube Goethe hätte das gefallen 🙂

Du merkst sicher, dass eine Menge Einflüsse zusammenspielen, die wir mit Eigennamen verbinden oder auch nicht. Unsere Kinder sind in dieser Hinsicht zuerst mal wirklich wie unbeschriebene Blätter eines Buches. Wir dürfen daher durchaus achtsam sein, was wir ihnen dort hineinschreiben. Wenn wir unsere eigenen Gefühle anschauen, wissen wir zumindest annähernd, was auf unseren Blättern steht. So manches darf getrost gelöscht werden und braucht keine weitere Fortsetzung in die nächste Generation.

(Anregungen zu den letzten Abschnitten stammen u.a. aus dem Artikel Namen sind Schall und Rauch? von Ulla Fix – Universität Leibzig 2010)

Rumpelstilzchen, Hänseln und Greteln

Da fällt mir noch was zum Thema »Namen und Macht« ein. Was wäre eigentlich aus Rumpelstilzchen geworden, wenn es sich nicht so verrückt and seinen blöden Namen gehängt und mit ihm identifiziert hätte? Dann wäre das Märchen vielleicht so gelaufen:

»Nun Frau Königin – wie heiße ich?«
»Heißt du etwa Hinz?«- »So heiß ich nicht!«
»Heißt du etwa Kunz?« – »So heiß ich nicht!«
»Heißest Du etwa Rumpel-stilz-chen?« – dramatische Pause – lautes Lachen!
»Wow, Frau Königin – super geraten – wer hat Dir den das gesagt?«
Und das Männlein führte einen Freudentanz auf und lachte sich beinahe kaputt.

Rumpelstilzchen durfte künftig als gerngesehener Gast jederzeit ins Schoß kommen, wann immer es wollte. Es spielte mit dem kleinen Prinzen, der ihn schon bald Onkel Rumple nannte, und immer wenn der König mal wieder knapp bei Kasse war, gab’s wieder ne Fuhre Stroh in dem Keller. Den Rest kannst du dir denken 🙂

Wie du siehst: Die Machtausübung über den Namen funktioniert nur bei entsprechender Identifikation. Das sogenannte Hänseln oder Greteln klappt einfach nicht, wenn man nicht Hans oder Gretel heißt oder sich einfach nichts draus macht. Dumm gelaufen für die Hänsler. Keine Identifikation – kein Ärgern! Das gilt denke ich für alles, an das wir uns hängen und das uns dann wichtig und heilig ist. Es fängt mit Eigennamen, Körpergröße und Klamotten an und endet bei unserem gesamten Bestand an Habseligkeiten. Oft kommen wir erst durch den vollständigen oder teilweisen Verlust dieser Dinge wieder zur Besinnung auf das Wesentliche im Leben.

Ich erinnere mich noch gut an die Kinder in meiner Straße in grauer Vor-Tang’scher Zeit:

»Bernd Walter sitzt am Schalter.
Wenn mer druffdrückt, un da knallt er!«

Ich glaube, dass ich am Anfang schon beleidigt und ärgerlich war, da ich ja auch die Absicht der Hänsler hinter diesem Spruch gespürt habe. Gleichzeitig fand ich das aber auch witzig und irgendwann lief ich wohl selbst mit diesem Verslein durch die Gegend. Da war der Bann gebrochen. Mit dieser Erfahrung im Blut konnte mich auch im späteren Leben – zumindest über meinen Namen – niemand mehr ärgern, denn ich war oft viel schneller mit lustigen Varianten am Start: Tangilein, Tangelmann, Peng, u.s.w. verdarben jedem potentiellen Lustigmacher schnell den Spaß an diesem Spiel.

Ich durfte dafür mit anderen Dingen, an die ich mich gehängt hatte, meine Frustrationen und leidvollen Erfahrungen machen. Jeder kriegt da seine Lektionen.

Geburtserlebnis und die psychisch-emotionale Nabelschnur

Mütter haben durch das einzigartige Erlebnis der Geburt eine besondere Verbindung zu ihren Kindern. Das mag manchmal dazu führen, dass zwar die physische Nabelschnur durchtrennt wird, aber eine psychisch-emotionale Nabelschnur verbleibt. Diese wird in vielen Fällen – meist unbewusst – weit über das Notwendige und die angemessene Zeit hinweg von Müttern weiterhin aufrecht erhalten und fortgesetzt. Ich spreche hier nicht von der wunderbaren intuitiven Verbindung – dem guten Draht – zwischen Mutter und Kind. Dieser Verbindung darf sich gerne auf die ganze Welt ausdehnen. Ich meine hier die Etablierung einer abhängigen symbiotischen Verbindung zwischen Menschen auf psychisch-emotionaler Ebene. Wenn eine aktive Abnabelung und die damit verbundene psychische Unabhängigkeit von Mutter und Kind nicht wirklich stattfindet, hat dies fatale Folgen für alle Beteiligten und führt schnell zu Machtmissbrauch. Meist sind es die Eltern, die diese Machtbefugnisse überziehen, aber auch Kinder können zu kleinen Tyrannen werden. Es ist beinahe wie ein heiliger Zorn auf den anderen, an den ich unsichtbar gefesselt bin oder von dem ich nicht loskomme.

Ist das nicht auch Thema vieler sogenannter erwachsenen »Liebesbeziehungen«? Ich bin überzeugt, dass diese Rollenspiele bereits in der Kindheit angelegt wurden und später einfach fortgesetzt werden. Dann treffen wir – hart gesagt – als Erwachsene mit dem Verhaltensrepertoir von Kleinkindern aufeinander und führen unsere eingeübten Theaterstückchen immer wieder aufs Neue auf. Weil wir es nicht besser gelernt haben, gehen wir immer wieder abhängige symbiotische Verbindungen ein und nennen das dann Verliebtsein oder gar Liebe. Und natürlich wird die nächste Generation von Kindern ebenfalls wieder mit dem gleichen Muster versorgt und geprägt – schöner Schlamassel und ein Thema von großer gesellschaftlicher Tragweite.

Meine aller-allerbesten Freunde

Wie sehe ich meine Kinder? Als meine aller-allerbesten Freunde! Und genau so versuche ich sie auch zu behandeln. Bisher habe ich ohne Vorbehalte auch ihre aller-allerbeste Freundschaft genossen. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht so bleiben kann, da wir kein Bedingungssystem in diese Freundschaft installiert haben. Damit ist es bedingungslose Liebe, die wir uns schenken. Ich möchte meinen Kindern zeigen, wie grandios es ist, wenn sie diese persönliche Freundschaft am besten auf die ganze Welt ausdehnen. Und zu guter Letzt sind wir noch mal bei der Frage: »Mama, Papa oder Nina und Horst?« angelangt. Wenn bedingungslose Liebe Grundlage unserer Beziehungen zueinander ist – ob zu unseren Kindern oder allen anderen Menschen und Wesen -, dann sind Namen wirklich »Schall und Rauch«. Mir persönlich fällt es etwas leichter, wenn mich meine aller-allerbesten Freunde so nennen wie auch all meine anderen Freunde. Statt »Kind« oder »Sohn« nenne ich die Jungs auch lieber bei ihren Namen.

Foto: Familie © Thomas Weiss | pixelio.de

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4 Responses to Mama, Papa – oder Nina und Horst?

  1. Stephanie Claßen sagt:

    Hallo Tang!!!!
    Toller Artikel!!!!
    Ich war für meine Jungs viele Jahre lang einfach „Mama“, aber sie hatten schnell raus, dass sie mich wunderbar um den Finger wickeln konnten, wenn sie zu mir „Mami“ sagten (so hatte ich meine Mutter genannt). Oder dass sie mich maßlos ärgern konnten, wenn sie „Mutti“ zu mir sagten (das war meine Schwiegermutter….).
    Vor einigen Jahren fing Philipp (heute 20) an, mich schlicht „Mutter“ zu nennen. Matthias (heute knapp 16) zog nach und obwohl es mich zunächst irritierte, gefällt mir diese Anrede heute gut – weil ich weiß, dass nicht emotionale Distanz oder übergroßer Respekt hinter dieser „kühlen“ Anrede steckt. Unsere Beziehung zueinander könnte nicht besser sein – und auch wenn ich von einem der beiden mal zu hören bekomme : „Sei ruhig, Weib!“, haben wir viel Spaß miteinander, können uns aufeinander verlassen und sind wirklich gute Freunde!!!!

    Ganz liebe Grüße
    Stephanie

  2. Marie sagt:

    Hallo Tang,
    Herrlich, die Information an der ich Teilnehmen darf; Danke.
    Habe keine Kinder, und so habe ich dieses, Mama und Papa, noch nicht so bewusst Wahr genommen wie Du… Werde mir viel Gedanken darüber machen…doch deine Worte, hinterlassen ein sehr guten Gefühl…
    Danke dafür…
    Marie

  3. Dieter Lokai sagt:

    Hallo Tang,
    … ich finde deinen Artikel sehr sehr gelungen – „Respekt“ – ! Ich erinnere mich auch an früherer Zeit, wie wir viel Zeit zusammen, zum Beispiel am Badesee, nicht nur die Sonne, den Sandstrand und das wunderbare Wasser genossen, sondern auch die Wortspielereien und guten Gespräche, genossen haben. Speziell zu dem Thema Namen, erinnere ich mich daran, dass ich dich mal fragte, worauf sich deinen Name „TANG“ bezieht, da mich schon immer die Wurzeln von Worten, Begriffen und Namen interessierten …! Da verbirgt sich viel dahinter und es gibt da sehr viel zu entdecken … wenn man da mal des öffteren sich die Mühe macht, den Dingen nachzugehen …!
    Grüße
    Dieter

  4. Tang sagt:

    @ Dieter – Ja, Dieter, das waren aufregende Zeiten. Du hattest damals glaube ich gerade Krishnamurti gelesen und warst tief beeindruckt 🙂

    Der Artikel hier hat tatsächlich in diversen Gruppen und Foren interessante und sehr persönliche Reaktionen und Kommentare hervorgelockt. Die meisten haben sehr spontan und aus dem Bauch einfach auf die Überschrift geantwortet und den Artikel vielleicht erst nachträglich gelesen. Damit musste ich natürlich rechnen. Es war dennoch bereichernd, da ich von jedem etwas ganz persönliches erfahren durfte. Auf jede einzelne Meinung einzugehen, würde den Rahmen hier sprengen und schnell in eine Positionsdiskussion – ein Für und Wider münden. Mir geht es aber eher um eine Beleuchtung von vielen Seiten – am besten von oben -, die Licht auf das Ganze werfen möchte. Bei genügend Helligkeit verblassen die Gegensätze eher – das Schwarz und Weiß verschwindet.

    Obwohl es auf den ersten Blick nur um zwei kleine Wörtern geht, schwingen beim Thema »Mama uns Papa« unglaublich viele persönliche Gefühle mit rein … und genau die sind es, die letztlich zählen. »… Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch,… «. das hat möglicherweise auch Goethe mit seinen Worten ausdrücken wollen, auch wenn es ihm bei Faust speziell um das Gottesbild ging. Ein Wort, eine Bezeichnung wird vom Aussprecher mit einer Bedeutung gesprochen, die er selbst erlernt und erfahren hat. Sie besteht aus einem gemeinsamen Konsens darüber – geboren aus gemeinsamer Sprache, Tradition etc. Dazu kommt ein persönliches dazugehörigen Gefühl. Für den Zuhörer kommen all diese Dinge zusammen und treffen auf sein Ohr. Habe ich ein Wort noch nie gehört, ist es mir als solches erst mal fremd – dann verstehe ich das nicht. Das Gefühl des Ausbrechers kommt aber sehr wohl bei mir an! Es schwingt sozusagen mit den Lauten wie Musik zu mir. Das betrifft Neugeborene ganz besonders. Sie hören ganz bestimmt mit anderen Ohren als wir Erwachsenen. Der Klang einer vertrauten Stimme, die Liebe die darin mitschwingt – all das zählt sicher mehr als die Reihe von Buchstaben! Wunderbar – wer beim Aussprechen von »Mama« sein Leben lang unterschwellig an Mutterbrust und Geborgenheit denkt, der hat auf jedenfalls dabei ein angenehmes Gefühl. Wer von der selben Mama auch ordentlich vermöbelt wurde – aus welchem Grund auch immer -, der entwickelt sicher noch andere Gefühle dazu. Wer keine leibliche Mutter als Kind hatte, dem ist vielleicht eine andere Bezugsperson ganz herzensnah und lieb geworden.

    Natürlich gibt es Laute, die uns als Menschenkinder im Säuglingsalter leicht von den Lippen gehen. Das hängt vor allem von unserer gemeinsamen Bauweise, sprich Anatomie ab – wir sind nun mal keine Hunde, sonst würden wir als Babies fiepsen, jaulen und später bellen. Wenn »Mama« zu den ersten Lippenlauten gehört, der beim Brustrausflutschen entsteht, dann hat das das ursprünglich genau diese und keine tiefere Bedeutung als vielleicht: »Prost, das war aber lecker!« Wäre Mamas Milch sauer oder bitter, käme als Antwort sicher eher: »Bääähhh!« Babies kommunizieren viel stärker ganzheitlich über intuitive und seelische Kanäle sowie über Berührung mit ihrer Umwelt, als mit Lauten oder gar Wörtern. Ob wir Alten das mitkriegen, hängt von unserer Bereitschaft zuzuhören ab und ob wir diese Sprache noch kennen. Fühlen tun wir es alle! Selbst das dickste Hackklotz wird vom offenen Blick und Lächeln eines Babies zutiefst gerührt.

    Andrea Ling hat mir bei Facebook geschrieben: »… Wenn ich zum Beispiel an das Lied von Heintje denke, wie er so voll liebender Inbrunst das „Maamaa..“ singt, dann spürt man sowohl, dass er seine Mama besingt und dennoch schmelzen Millionen Mutterherzen dahin, weil sie sich ebenso angesprochen fühlen :))) Wenn er jetzt „Andreaaa..“ sänge, was für eine geänderte Aussage 🙂 Ich möchte auch Freundin für meine Kinder sein, aber nicht nur, sondern viel mehr und daher möchte ich nicht wie alle Freunde, egal wie eng sie verbunden sind, beim Vornamen angesprochen werden. Wären wir Eltern denn einfach so austauschbar?«

    Diese Antwort spiegelt eine große Zahl der Elterngefühle zu »Mama und Papa« sehr gut wieder. Ich fang mal hinten an. Niemand fühlt sich recht wohl bei dem Gedanken, dass er austauschbar ist. Es torpediert unser Ego, unseren Wunsch nach Besonderheit und unser Selbstwertgefühl. Für viele ist es sehr wichtig, gebraucht zu werden und für andere etwas Besonderes zu sein. Leider ist dies aber eine mögliche Keimzelle von Co-Abhängikeit. In Mann-Frau-Beziehungen sehen wir das durchaus problematisch, aber installieren wir das nicht bereits in unseren Kinderstuben und wundern uns später, dass wir als Erwachsene aus diesen Mustern nur noch mit therapeutischer Hilfe rauskommen? Sind Adoptiveltern automatisch schlechtere Eltern, nur weil sie nicht »eigen Fleisch und Blut« sind?

    Wer Reinkarnation in Erwägung zieht – für den habe ich einen weiteren Gedanken: Zwischen vielen Menschen und besonders zwischen Eltern und Kindern gibt es möglicherweise eine tiefe Seelenverwandtschaft, die schon über mehrere Leben geht. Vielleicht war mein Sohn im letzten Leben meine Großmutter – wer weiß das schon? Solche engen Gefühle haben wir aber auch manchmal zu andren Menschen, die uns unglaublich vertraut vorkommen – manchmal gar vertrauter und näher als die eigenen Eltern. Warum auch nicht? Wenn alles eins ist und miteinander verbunden, dann ist eine persönliche Betrachtung immer ein mehr oder weniger schmaler Blickwinkel auf die Wirklichkeit hinter den Dingen. Allein die bedingungslose Liebe zu Allem was Ist – unsere Kinder eigeschlossen – entlässt die Mama-Papa-Diskussion in die relative Unwichtigkeit. Wie schön wäre das, wenn bedingungslose Liebe – die unsere Kinder uns entgegenbringen – in dieser Zeit nicht mehr das Besondere wäre, sondern zum Alltäglichen würde.

    Aus der Sicht der göttlichen All-Einheit sind alle Worte, die auf unseren wahren Ursprung hindeuten, kraftvolle Worte, in denen genau diese bedingungslose Liebe mitschwingt. Dieser Hinweis auf unseren wahren Ursprung steckt auch sicher in den Begriffen wie Vater und Mutter, die ja auch über das persönliche hinaus im religiösen oder spirituellen Zusammenhang benutzt werden. Dieser erweiterte Blick auf das Mutter- und Vatersein geht somit über das leibliche Elternsein weit hinaus und wird damit allumfassend und bedingungslos. Die eigenen Kinder – und vielleicht auch andere – in diesem Sinne ins und durch das Leben zu begleiten ist eine wunderbare Aufgabe und Herausforderung.

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