Die Kids sind nun schon eine von drei Wochen mit ihrer Mutter in Japan und ich hatte sooo viele Ideen, was ich alles in dieser freien Zeit anstellen und schaffen könnte. Mein Gott – es fällt mir wirklich schwer, nach so langer Zeit einfach mal mit gutem Gewissen abzuhängen und die Beine hochzulegen.

Alte Tapeten und der Musenkuss

Im großen Gemeinschaftszimmer – das die Jungs längst als »ihr« Spielzimmer okkupiert haben – hängt immer noch die alte Tapete meiner lange verstorbenen Großmutter. Die schaut sicher ab und zu von oben runter und schüttelt den Kopf darüber, dass ihre Schlafzimmertapete von 1972 noch hängt. Okay – die Jungs konnten darauf rummalen und sie bekleben, ohne dass ich gleich mit Pinsel und Farbe hinterher musste – aber jetzt wird es langsam Zeit für ne Renovierung. Ja und da wäre noch der Flur, das Schlafzimmer, das Bad und das Gästeklo.

Nun, mit den beiden Sanitärzimmerchen habe ich tatsächlich letzte Woche begonnen, und die werden wohl auch heute fertig – spätestens morgen -, aber der Rest? Hey, Tang … was soll dieses Geaber? Freu Dich mal über das, was Du geschafft hast – oder besser noch, freu Dich schon beim Schaffen … und auch beim Faulenzen! Los, tief Ausatmen nicht vergessen!

Und was ist mit meiner ganzen Kreativität? Wo sind die Musen, die mich gerade jetzt küssen sollen? Und all die anderen tollen Frauen, die gerade jetzt, in diesen drei Wochen wie aus der Versenkung auftauchen sollen, um mich in meiner Freiheit zu beglücken – wo sind sie?

Ei, ei, ei … so wird das nix! Let it flow, Tang! Nochmal ausatmen … pffffffff … Schon besser. Schließlich schreibe ich ja gerade was im Blog – das ist doch schon mal ein Anfang nach der längeren Pause. Ja, im Juni und Anfang Juli fiel mir wirklich nix ein. Da gab es die Mega-Events mit absolut dichtem Terminplan: Kanufahren und Glückskinderzelten im Elsass, Zirkusaufführungen von Joy, Zeltwochenende mit den Wühlmäusen – Rays Waldkindergarten, und noch mal Kanufahren mit Zelten an der fränkischen Saale. Dazwischen alle möglichen Schultermine und die normale Alltagsaction.

Wechselbäder

Während ich das alles aufliste, werde ich schon etwas freundlicher zu mir und nehme etwas Druck raus – gerade grins ich sogar! Aber ist das nicht ein Jammer, dass ich all diese Dinge die ich da geschafft und geleistet habe, anscheinend brauche, um mir auf die Schulter zu klopfen und mich dann wohlzufühlen. Das ist doch bekloppt! Was für ein bescheuertes Programm, dass da immer noch ab und zu läuft: ordentlich was geschafft – braver Tang – der Junge fühlt sich gelobt und ist glücklich!

Natürlich läuft das bei mir eher wie Wechselbäder. Mal bin ich in meiner Mitte, mal nicht – so ähnlich, als ob Herr Richie aus meinem Buch zwischen den beiden Erden hin und her flitzen würde. Einmal kann ich den Augenblick genießen, jede einzelne alte Badekachelfuge mit Schwamm und Farbe in frisches Weiß zu verwandeln. Und nach dem Trocknen rubbele ich sie dann alle wieder frei, bis sie in neuem Glanz erstrahlen. Dann kommen sie plötzlich, die Gedanken: »Mann, das dauert ja ewig! Das hätte doch auch noch 10 Jahre gehalten! Spiel doch lieber Klavier oder schreib was. Bist du nun Künstler oder Fliesenleger und Tapezierer? Und so weiter …«

Ja, und genau in diesem Moment bin ich vorhin an den Computer gehüpft und hab mit dem Schreiben begonnen – wunderbar! Und nachher gehts wieder zurück ins Bad … oder auch nicht … oder morgen. »Was Du heute kannst besorgen, das verschieb auch mal auf morgen!«

Klingelingeling … was für eine schöne Überraschung … ich hab den Klang von Joys Stimme fast nicht erkannt. Es ist 15:00 und in Tokio 22:00 Uhr abends. Na, das ist jetzt wirklich ein erfreuendes und aufbauendes Telefonat. Die Brüder sind noch putzmunter und Joy erzählt mir begeistert von Zikaden, Heuschrecken und sogar einer Gottesanbeterin, die er gesehen hat. Dass er bei seiner japanische Oma gerade am Tisch sitzen soll, findet er nicht so prickelnd, aber das kriegt er schon hin. Ray findet, das Frösche kein Kaka machen, weil sie ja keinen richtigen Popo haben. Ich kann ihn nicht so richtig vom Gegenteil überzeugen.

So, die Jungs gehn jetzt wohl langsam Schlafen und ich turne über meine neuen Bodenbewohner wie Eimer, Werkzeug etc. rüber ins Bad und kleb die Fließen ab vor dem Deckestreichen … und vorher noch schnell ein bisschen Klavierspielen … oh, süße Freiheit der beliebigen Zeiteinteilung. Da fällt mir Nina Hagen ein mit ihrem NDW-Song »Ich klotz TV«:

»Ich kann mich gar nicht entscheiden – es ist alles so schön bunt hier!« In diesem Sinne … 😉

Foto: © B.M.Tang

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